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Stadionessen across the world

Während die Fußballspieler auf dem Feld den Ball kicken, kippen wir uns Bier hinter die Binde und beißen in Bratwürste mit Senf. Und was isst der Rest der Welt auf den Stadion-Tribünen? Wir sagen es euch!

Leonie
Leonie, Redaktion

von LEONIE PANZER


Schwarz-rot-goldene Fanartikel hier, furiose Tipp-Communities da: Bis letzte Woche bin ich davon ausgegangen, dass die bevorstehende Weltmeisterschaft, diese 31 Tage blanker Fußballwahnsinn, das erste Mal vollkommen spurlos an mir vorbeigehen wird. Nach dem Abstieg meines geliebten HSV ist eben auch mein Bock auf Fußball gefährlich zurückgegangen. Und jetzt? Jetzt stecke ich doch irgendwie mittendrin. Auf einmal. Vielleicht liegt es an Burger-Buns in Deutschlandfarben, Nigiri-Sushi in der Deutschlandbox und Schokolinsen in der Fußball-Sonderedition. Oder einfach daran, dass ich einfach ein riesiger Fußball-Fan bin.

Denn, während nahezu mein ganzer weiblicher Freundeskreis sich der Riege “Guck mal, wie süß dieser Griezmann ist” anschließt und Bewerbungen als “Germany’s Next Spielerfrau” rausschickt, beschäftige ich mich dann doch lieber mit Vorberichten, Aufstellungen und taktischen Spielzügen – ja, sowas soll es auch als Frau geben. Würde ich im HSV-Vorstand sitzen, wäre der Dino bestimmt noch erstklassig. Indianerehrenwort! Dieses Jahr bleibt es aber (leider) wieder nur bei der Fern-Halbzeitanalyse von der Couch oder dem Public Viewing auf dem Heiligengeistfeld. Die deutsche Fußball-Euphorie hat mich – mal wieder – voll in ihren Bann gezogen.

Aber solange mich der Sportvorstand des HSV nicht abwirbt und ich noch immer bei FOODBOOM in die Tasten haue, soll es hier ja nicht nur um Fußball gehen, sondern auch um mein zweites Lieblingsthema: Essen. Oder vielmehr um beides zusammen. Denn als ich für diesen Artikel gebrainstormed habe und mein Magen mehr als laut knurrte, habe ich mich gefragt, welches WM-Land unserer traditionellen deutschen Stadionwurst das Wasser reichen kann. Gibt es überhaupt realistische Konkurrenz? Wer wird Weltmeister des Stadionfraßes 2018? Ich habe da mal alle 32 Teilnehmer unter die Lupe genommen...


Land für Land!

Ägypten

Die WM-Teilnahme hat das Land der Pyramiden eigentlich nur einem zu verdanken: Mo Salah. Sein ganz persönlicher Schlüssel zum Erfolg: Kushari. Na, wenn das Nationalgericht aus Linsen, Nudeln, Reis, gerösteten Zwiebeln und Tomatensauce schon jetzt WM-Helden macht und Tor-Maschinen heranwachsen lässt, sollten wir das wohl Thomas Müller auch nochmal fix in seinen Ernährungsplan schmuggeln!​

Argentinien

Argentinien und ihre Kulinarik: Vegetarier haben es hierzulande alles andere als einfach – auch im Stadion! Das Nationalgericht der Stadiongänger heißt Choripanes: ein knuspriges Brot, das mittig geteilt und mit Chorizo belegt wird. Getoppt von Chimichurri – fertig! Kleckern garantiert!​

Australien

Ja, die USA musste zu Hause bleiben. Schade - tut aber unserer Liebe für Fast-Food keinen Abbruch. Diesen Part übernimmt nämlich Australien. Neben klassischen Burgern steht noch eine weitere Köstlichkeit auf der Speisekarte:  Meat Pies – gedeckte Kuchen mit einer Füllung aus Rindfleisch und Bratensoße. Leicht bekömmlich klingt anders!​

Belgien

Andere Länder, andere Fritten: In Belgien stehen sie Schlange – für Pommes frites. Das kulturelle Erbe der Nation gilt als absoluter Exportschlager. On Top: die Sauce Andalouse aus Mayonnaise und Ketchup.​

Brasilien

Exotisch, würzig, vielfältig – Brasilien hat mehr in petto als nur Capirinha. Die Ballakrobaten um Neymar, Thiago Silva und Marcelo lassen sich am besten anfeuern, wenn die Hände schnell wieder leer und stets applausbereit sind: In der brasilianischen Stadienkultur gibt’s daher leckeres brasilianisches Fingerfood wie zum Beispiel frittierte Hähnchenkroketten oder Par de Queijowürzige Käsebällchen zum Schnellverzehr.

Costa Rica

Schonmal von Gallo Pinto gehört? Nein? Dann warst du wahrscheinlich noch nie in Costa Rica. Hier landet das einfache Nationalgericht aus Reis und schwarzen Bohnen nämlich morgens, mittags und abends auf dem Teller. Und eben auch zur Fußballzeit. 

Dänemark

Ahhhhh, da haben wir sie ja: Die erste (schlechte?) Kopie unserer deutschen Stadionwurst. Typisch Landesgrenzen-Nachbar. Kleiner, aber feiner Unterschied: in dänischen Stadien landen zwei Würstchen im Brötchen. Also doch besser? Niemals!

Deutschland

Der Klassiker, die einzig Wahre, mein Schatz! Von der Bundesliga zur Kreisklasse ist die Wurst auf dem Grillrost einfach nicht wegzudenken. “Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die leckerste im ganzen Land?” – es gibt sogar eine Internetseite, die sich vollends der Fußballwurst widmet, dem Grundnahrungsmittel bei jedem Kicker-Match.

England

Die Spinnen, die Briten! Nicht nur beim English Breakfast, auch beim Stadionessen: Hier wird genüsslich in die Fleischpastete gebissen und mit einer kräftigen Rinderbrühe nachgespült. Der neue Verkaufsschlager: Der Klopp-Pie, benannt nach dem deutschen Exporttrainer Jürgen Klopp. Die Zutatenliste: gepfefferte Steakstücke, eingelegte Gurken, Kapern, Kartoffeln und in Bier abgelöschtes Schweinefleisch.

Frankreich

Frankreich – das Land der Haute Cuisine und verantwortlich dafür, dass unsere Innenstädte von Crêpes-Ständen gepflastert sind. Die flachen Eierkuchenfladen kehren auch im Stadion ein: In hungrigen Fußballerbäuchen landen Galette saucisse – die wohl schönste Verbindung deutsch-französischer Fanfreundschaft, Würstchen im Crêpe-Mantel.

Iran

Während die Iraner bei der Weltmeisterschaft eher zu den Außenseitern und Überraschungsgästen zählen, haben sie es snacktechnisch echt drauf: Bei den Persern landet Balal in der Hand – ein schwarz angebratener Maiskolben, der nach dem Grillen kurz in kaltem Salzwasser abgeschreckt wird.

Island

Die Isländer – der Inselstaat mit dem lautesten Fanblock, setzt ein klares Statement gegen die Daheimgebliebenen Italiener: Die italienische Pizza ist das liebste Stadiongericht der Nordlichter. So ist Italien wenigstens ein bisschen bei der WM am Start – ob sie wollen oder nicht.

Japan

Jetzt wird’s verrückt! In Japans Zentren des Rasensports kommt Takoyaki auf den Pappteller. Gebratener Oktopusarm in einer pflaumengroßen Teigkugel versenkt. Und für den Geschmack: Mayonnaise, Aonori (Seetang) und Katsuobushi (geraspelter, getrockneter Bonito-Fisch) on Top. 

Kolumbien

In Kolumbiens WM-Kader dreht sich alles nur um einen: James Rodriguez. Ob das kolumbianische Wunderkind sich bei kindlichen Stadionbesuchen auch schon mit Tamales gestärkt hat? Der Maisteig, mit Fleisch gefüllt und in Pflanzenblättern gedämpft, verspricht auf jeden Fall Sättigung pur.

Kroatien

Ja, Kroatien ist über Nacht zum WM-Favorit geworden. Könnte daran liegen, dass sie ihre volle Aufmerksamkeit dem Spiel und nicht den Snacks widmen. Im Stadion gibt es nämlich nur geröstete Erdnüsse. Und auch nur dann, wenn sich die Lederkugel mal kurz in der ungefährlichen Spielfeldmitte befindet.

Marokko

Veggie gut, alles gut! Bei den Marokkanern darf es im Stadion gerne fleischlos zugehen. Besonders verbreitet: frittierte Auberginenscheiben. Begleitet werden die Fritters von einer süßlich-scharfen Marinade aus Honig und Paprika.

Mexiko

Die Nation, die uns unseren Vorrundenstart so erschwert hat. Da fällt den Public Viewing-Besuchern in Mexico City vor Freude ja glatt der Noodle-Cup mit Limette und Hot Sauce aus der Hand!

Nigeria

In Sachen Style sind die Westafrikaner jetzt schon Weltmeister: Mit ihrem traditionellen Reise-Outfit verzückten sie die Medien. Ob sie mit ihrem Stadionessen auch punkten können? Sagen wir mal so: Gebackene Banane und Boerewors, eine zur Schnecke aufgewickelte Wurst, sind definitiv Geschmackssache.

Panama

Für Touristen ist die Küche in Panama mit ihrem Einfluss-Mix aus spanisch, karibisch und indisch eher gewöhnungsbedürftig. Doch Panamesen fühlen sich im Stadion wohl, sobald Empanadas im Spiel sind: Die Teigtaschen aus Maismehl kommen gefüllt mit Fisch, Meeresfrüchten, Fleisch, Käse oder gekochten Eiern daher.

Peru

Was bei den Peruanern auf den Teller kommt, ist mindestens so derbe und deftig wie deren Kickerkünste. Hier stehen Anticuchos auf dem Speiseplan – gegrillte Rinderherzspieße, scharf gewürzt und mit einem Spieß aus Zuckerrohr in Form gehalten.

Polen

Auch die Polen beschäftigen sich lieber mit lauten Fangesängen, hitzigen Pöbeleien und furiosen Torjubeln, als mit hochklassiger Stadionversorgung. Sonnenblumenkerne reichen den Osteuropäern allemal.

Portugal

Christiano Ronaldo ist nach seinem Hattrick im Auftaktspiel schon jetzt zum WM-Held Portugals auserkoren. Seine Landsleute feuern den schönen Portugiesen am liebsten mit einem Bifana, einem Knoblauch-Schnitzel im Brötchen, an.

Russland

Seit dem 14. Juni sind alle Augen auf Russland gerichtet: Das Land, das 32 Länder vereint, ganz im Zeichen des Lederballs. Die Austragungsorte erstrecken sich von Kaliningrad über Sotschi bis hin zu Jekaterinburg – eines haben alle Stadien gemeinsam: Hier gibt es Pistazien und russische Piroggen en masse.

Saudi-Arabien

Während Saudi-Arabien sportlich eher zur Kategorie “Außenseiter” zählt, ist das Lieblingsessen der saudischen Stadiongänger in aller Munde – im wahrsten Sinne des Wortes. Knusprige Falafel, kleine frittierte Kichererbsenbällchen, haben längst Streetfood-Trendstatus erreicht.

Schweden

Dreimal darfst du raten. Natürlich Hot-Dogs à la IKEA!

Schweiz

Ob die Schweizer auch eigene Ideen haben? Kulinarisch sieht es da mau aus. Sie springen in Sachen Stadionfraß auf den deutschen Zug auf: Hier werden hungrige Mäuler und durstige Fußball-Fans mit Bier und Bratwurst gefüttert. 

Senegal

Die Senegalesen gelten dieses Jahr als Afrikas Hoffnung. Während die National-Elf in Russland um ihre Verbleibsberechtigung in der WM kickt, gibt es Zuhause Accara-Sandwiches für die Fans – frittierte Schwarzaugenbohnen-Patties mit Tomate, Salat und Zwiebel.

Serbien

Die Zuckerschnuten unter den Fußballfans: In Serbien gibt es Früchte am Spieß. Und als ob Äpfel, Trauben, Pflaumen und Co. noch nicht süß genug sind, werden die Vitaminbomben mit einer dicken Zuckerglasur überzogen.

Spanien

It’s picnic-time! Neben den klassischen Fast Food-Buden, kommen die Fans hierzulande auch anders auf ihre kulinarischen Kosten: Nicht ungewöhnlich nämlich, dass der Sitznachbar ein kleines Picknick auspackt – mit spanischem Brot, Schinken und kleinen Häppchen. Yummy! 

Südkorea

Die koreanische Küche ist nichts für Weicheier: Im Stadion begegnet man da gerne mal einem halb-lebendigen Oktopus. Dazu: Kimchi mit feuriger Chilipaste.

Tunesien

In Tunesien gibt es nur Couscous? Fehlanzeige! Wäre auch etwas unpraktisch, dieser krümelige Gries. Stattdessen kommen in tunesischen Spielstätten Briks auf die Kralle – Teigtaschen gefüllt mit Ei und Petersilie.

Uruguay

Uruguay ist für zwei Dinge weltbekannt: Fußballstars und Rindfleisch. Da ist es wohl keine große Überraschung, dass die Einwohner zu ihrem Lieblingssport begleitend am liebsten fleischige Steakbrötchen verspeisen.

Wow, was für eine kulinarische Reise um die Welt. Wer da die Nase vorne hat? Fakt ist: Das Stadionessen in den Teilnehmerländern ist mindestens so vielfältig und bunt wie die Weltmeisterschaft selbst. Bei so vielen kulinarischen Eindrücken möchte ich eigentlich (ja, nur eigentlich) nicht den Stadionfraß-Weltmeister 2018 küren. Aber wie sagt man so schön? “Never change a winning team” – oder in meinem Fall “never change a winning food”: Ich habe meiner Stadionwurst einst ewige Treue geschworen und ich werde sie auch weiterhin nicht im Stich lassen. Ich bleibe dabei: Die deutsche Wurst im Brot ist mein ganz persönlicher MVP (Most Valuable Player). Ich höre es daher schon förmlich klingen: “Aus, aus aus! Aus! Das Spiel ist aus! Die Stadionwurst ist Weltmeister!”. Musik in meinen Ohren.