Reportage

Teeernte bei den Lisu

Wir entdecken den hohen Norden Thailands und dürfen eine Teeernte beim Bergvolk Lisu miterleben.

Olaf
Olaf, Redaktion

Wir besuchen eines der im Norden ansässigen Bergvölker und fahren zum Landkreis Mae Taeng, nördlich von Chiang Mai. Dort leben die Lisu unter sehr einfachen und ursprünglichen Verhältnissen. Sie sind Teil einer animistischen Naturreligion und glauben an Geister. An böse und gute natürlich. Für Rat und Tat wird der Schamane zur Hilfe geholt, der es vermag, anhand eines alten Hühnerknochens allerlei Antworten zu geben. Die Anzahl der Löcher im Knochen geben Auskunft über die Zukunft. Der Schamane kann scheinbar auch vorhersehen, wie die nächste Gemüse-, Kräuter-, Reis- oder Teeernte ausfällt. Er hat ein reiches Wissen über Naturheilverfahren und ist auch dafür verantwortlich, böse Geister vom Dorf fernzuhalten. Die traditionellen, ebenerdigen Häuser der Lisu sind aus Bambus gebaut und meist an einem Hang gelegen. Das Bergvolk lebt überwiegend von der Landwirtschaft. Die ursprüngliche Herkunft der Lisu wird im östlichen Teil Tibets, sowie den chinesischen Provinzen Sichuan und Yunnan vermutet. Anfang des 20. Jahrhunderts wanderten die ersten Lisu nach Nordthailand ein.

Sie zeigen uns ihre kleine Tee-Plantage. Hier werden in Handarbeit und Bioqualität Kleinstauflagen von Assam-Tee geerntet. Olaf stellt schnell fest, dass das eine wahre Herausforderung ist. Das Pflücken der Pflanzen fordert äußerste Konzentration bei knallender Hitze ohne jeglichen Schatten. Viele der Arbeiterinnen schützen sich mit Ganzgesichtsmasken und langärmligen Kleidern vor der Sonne. Manche tragen sogar zwei Hüte, damit auch wirklich kein Sonnenstrahl hindurch geht.

Das macht die Sache natürlich noch schweißtreibender. Olaf ist schon nach einer guten halben Stunde und gefühlten 20 g Ernte kurz vorm Hitzschlag. Wir können uns nun erklären, wie die hohen Preise für solch einen von Hand gepflückten und in Bioqualität gewachsenen Tee zusammenkommen.

Es werden nur ganz bestimmte Assam-Blätter von bester Qualität geerntet, die aus drei Säulen bestehen. Das geschlossene Blatt gibt den Geschmack, das offene ist für die Farbe zuständig und der Stiel enthält das aufputschende Teein.

Nach der aufwendigen Handarbeit geht es weiter in der Teeproduktion. Bei ca. 60 Grad werden die frischen Blätter in einem riesigen Wok über Holzkohle geröstet. Die erste Röstung dient dazu, den Blättern die ätherischen Öle zu entlocken. Danach werden die Blätter, wie bei einer Thaimassage, für zehn Minuten ordentlich durchmassiert. Anschließend werden sie für eine ganze Stunde weitergeröstet. Damit nichts anbrennt, muss der Tee kontinuierlich mit der Hand gewendet werden. Nach der schonenden Röstung wird der Tee langsam heruntergekühlt und nochmal für drei Tage gelagert, bis er fertig und trinkbar ist.

Wir haben die Ehre, den guten Tee zu probieren. Es ist wirklich erstaunlich, wie hoch der geschmackliche Unterschied zu herkömmlichen Tees ist! Kaum wahrnehmbare Bitterstoffe, nur eine leichte herbe Note und ansonsten ausschließlich gaumenerwärmende, blumige und sanfte Noten.