MENÜ

Nordnorwegen

  Video
  Karte

Meer, Weite und frischer Fisch

Wir haben uns auf den Weg nach Nordnorwegen, den größten und zugleich am dünnsten bevölkerten Teil Norwegens gemacht. Er umfasst mehr als ein Drittel des gesamten Landes und erstreckt sich von der idyllischen Helgeland-Region im Süden bis zum nördlichsten Punkt des europäischen Festlands nahe dem Nordkap.

In erster Linie könnte man behaupten es sei sehr kalt hier oben, aber bei dieser unglaublich schönen Natur rückt das Kälteempfinden relativ schnell ins Abseits. Es ist einfach nur sagenhaft schön.
Zwar herrscht, dank des Golfstromes, in Nordnorwegen ein recht mildes Klima. Nichts desto trotz befinden wir uns aber nur rund 300 km nördlich des Polarkreises. Das sollte man nicht vergessen!

Wir fliegen den Flughafen Evenes an und fahren direkt weiter nach Hinnøya, die größte Insel Norwegen. In der Stadt Harstad lassen wir uns nieder und beenden den Reisetag mit einem richtigen Winter-Wunderland-Dinner. Das Team vom Restaurant BARK Spiseri hat für uns eine Festtafel in einem großen, mit einer offeneren Feuerstelle ausgestattetem Zelt vorbereitet. Das klingt nicht nur saugemütlich, sondern das IST saugemütlich und vor allem richtig lecker.

Wir werden mit nordnorwegischer Gastfreundschaft begrüßt und bekommen ein unvergessliches drei Gänge Menü serviert. Zubereitet mit lokalen Zutaten aus der Region und natürlich frischem Fisch. Dazu gibt es lokales Bier aus der „Harstad Bryggeri“. Ein leichtes belgisches Wit, welches hervorragend zum gegrillten Fisch passt und ein etwas kräftigeres Amber Ale.

Das BARK steht für Hausmannskost vom Feinsten! Und alles nach dem Motto: Wer gut isst und trinkt, der lebt auch besser. Dem stimmen wir absolut zu! 
Hier geht's zur Website: www.barkspiseriogbar.no

Was für ein herzliches Willkommen in Norwegen! Unsere Ankunft hätte nicht besser sein können.

Harstad begrüßt uns heute mit einer tief hängende, grauen Wolkendecke. Perfekt für einen Tag zuhause auf dem Sofa, mit Netflix und guten Freunden. Nix da!

Wir haben heute einiges vor und stärken uns am reichhaltigen Buffet des Thon Hotels. Die Auswahl an Salaten, frischem Aufschnitt, hausgebeiztem Lachs und warmen Gerichten ist gigantisch, so dass wir selbst als erfahrene Hotel-Gäste geplättet sind. Mit einem breiten Grinsen starten wir nach diesem Frühstück in den Tag.

Die Stadt Harstad ist ein richtiger Insidertipp und bekannt für sehr gute Restaurants mit hochwertiger, lokaler Küche. Das Restaurant Umami ist eines dieser kulinarischen Highlights der Stadt. Wir treffen den Inhaber und Chefkoch Kim-Håvard Larsen , der uns zeigen möchte, woher das frische Seafood kommt.

Wir treffen uns direkt an dem kleinen Hafen vor unserem Hotel und fahren dick eingemummelt mit einem superschnellen RIB Boat raus. Der Gegenwind ist eisig, dass man auf gar keinen Fall irgendeinen Zipfel Haut frei lassen möchte. Lange Unterwäsche, Schal und Mütze sind Pflicht. Im Grunde könnte man alles anziehen, was der Koffer so hergibt, um der Kälte Einheit zu gebieten.

Der erfahrene Taucher Frank wartet bereits im Wasser auf uns. Er versorgt das Restaurant mit unglaublich frischen Zutaten und hat heute vor allem Seeigel im Netz. „Ein total unterschätztes Produkt“ sagt Kim, denn die meisten Norweger essen Seeigel nicht, oder wissen einfach schlichtweg gar nicht, dass man ihn essen kann.

Olaf ist absolut begeistert und isst den ersten Seeigel natürlich direkt an Bord. Was für eine Geschmacksexplosion. Natürlich salzig und dabei auch leicht süß, mit einer leichten Textur, eignet sich der Rogen für viele Gerichte. Ein echter Allrounder.

Da wir von Seeigel alleine nicht satt werden, nimmt uns Kim mit auf einen zugefrorenen See. Hier treffen sich häufig die Norweger mit Freunden zum Eisangeln. „Alles was man dafür braucht ist einen Eisbohrer, eine Angel, einen Hocker und extrem viel Geduld. Warme Klamotten sind natürlich auch Pflicht, aber das Thema hatten wir ja schon.

Olaf und Kim sitzen in der Eiseskälte, auf dem gefrorenen See, vor einem tief gebohrten Loch, in das sie beide eine Angel halten. Sie unterhalten sich, warten, lachen, frieren und warten weiter. Es kann tatsächlich mehrere Tage dauern bis ein Fisch anbeißt! Kim erzählt uns von Eisangel-Wettkämpfen, bei denen die Eisangler mehr als zwei Tage warten mussten, bis der erste Fisch gefangen wurde. Oha, so viel Zeit haben wir leider nicht. Der Wind pfeift uns um die Ohren und es fängt an zu schneien. Olafs Geduld ist nach drei Stunden am Ende, die Hände eingefroren und der Hunger zu groß, um noch länger zu warten.

Frage des Tages: „Sind die Norweger tatsächlich so entschleunigt und entspannt, dass Zeit überhaupt keine Rolle spielt?“ Olaf ist etwas enttäuscht, keinen frischen Fisch aus dem Wasser gezogen zu haben, aber dafür lädt Kim ihn in sein Restaurant rein. Bei einem Bier ist die Enttäuschung schnell vergessen.

Kim kocht ausschließlich mit frischen Produkten aus der Region und nutzt internationale Rezepturen, um den Gerichten seinen eigenen Schliff zu verpassen. Er hat viel von der Welt gesehen und somit einen reichen Schatz an Ideen, die er gerne für seine Gäste auf den Teller bringt. So paaren sich, in Butter gebratene Jakobsmuscheln mit einem Apfel-Zwiebel-Kompott und hausgemachte Kartoffel-Chips zu blanchierten Meeres-Algen. Alles harmonisiert zusammen und ist perfekt ausbalanciert. Keine Frage, das Umami ist ein absolutes „Must-Visit“ wenn es einen nach Harstad verschlägt.

Hier geht's zur Website des Restaurants: www.umamiharstad.no

Heute geht‘s bei strahlendem Sonnenschein von Harstad nach Sortland. Wir fahren durch das beeindruckende und verschneite Fjordland auf die Vesterålen. Die Fährfahrt von Refsnes nach Flesnes war hierbei eine wunderbare Abwechslung zu den sonst sehr glatten Straßen.

Auf dem Tagesplan steht ein Besuch in Kvalsaukan bei einer samischen Familie.

Die Samen sind Ureinwohner im nördlichen Skandinavien und auf der russischen Kolahalbinsel. Früher zogen sie traditionell als Nomaden durch die karge Landschaft. Heute jedoch haben sie ihr Leben an die modernen Zeiten angepasst. Sie sind sesshaft und benutzen moderne Technologien, wie jeder andere auch. Dennoch sind die Samen noch eng verbunden mit ihrer jahrtausendealten Kultur und Geschichte. Sie haben eine tiefe Verbundenheit zu den Rentieren. Heute leben noch rund 2.600 Samen in Norwegen von der Rentierhaltung. Der Großteil der Fläche Nordnorwegens wird für die Rentierhaltung genutzt.;

Laila und Arild führen einen kleinen Familienbetrieb namens Inga Sami Siida und leben vom Tourismus und natürlich von Produkten rund ums Rentier. Die Felle sind besonders beliebt und das Fleisch ernährt die Familie und wird verkauft. Die Samen nutzen wirklich alles vom Rentier. Beliebt sind zum Beispiel Blutpfannkuchen oder das Knochenmark.

Olaf hat heute die große Ehre, ein frisch geschlachtetes Rentier zu zerlegen. Arild zeigt ihm stolz, wie man das macht und die beiden Männer freunden sich bei der Aktion schnell an. Es wird wirklich nichts verschenkt und jedes Teil vom Tier hat seine ganz bestimmte Verwendung. Selbst die Hufe werden ausgekocht und das austretende Öl zum Schuhe imprägnieren genutzt.

Nach der Arbeit kommt auch bei den Samen das Vergnügen und so hat Laila, während wir das Tier zerlegt haben, das Blut zu kleinen Frikadellen verwandelt, die ganz einfach aus Mehl und dem Blut bestehen. In einer Brühe aus Rentier-Knochen werden die anschließend auf offenem Feuer gekocht.

Während die Frikadellen garen, reicht Arild Olaf einen Holzbecher mit frischen Kaffee, in dem weißer Käse und Trockenfleisch schwimmen. „Interessant, nicht unbedingt mein kulinarisches Highlight, aber für lange ausdauernde Winter bestimmt der perfekte Energy-Drink“ findet Olaf.
Die Blut-Frikadellen runden den Tag bei den Samen perfekt ab, denn obwohl der Name erstmal abschreckt, schmecken die Frikadellen total gut. Ein simples Gericht aus Mehl und Blut und die Erkenntnis, dass es das letzte indigene Volk Europas ohne Rentiere wohl nicht mehr geben würde.

Unsere Reise geht weiter. Ein ganz besonderes Ziel steuern wir heute an. Das kleine verschlafene Fischerort Nyksund auf den Vesterålen wartet auf uns.

Nyksund ist so ein wenig gefühlt „das Ende der Welt“. Nur 27 Menschen leben hier und der deutsche Ssemjon Gerlitz ist einer von ihnen. Ssemjon ist vor circa 20 Jahren aus Düsseldorf in das menschenleere Nyksund ausgewandert. Dort hat er sich, quasi aus dem Nichts und etwas Bauschutt, sein eigenes Gästehaus Holmvik Brygge gebaut. Damals war Nyksund ein verlassenes Fischerdorf ohne Perspektive. Aus diesem „Geisterdorf“ hat Ssemjon mit viel Energie und Hilfe von Einheimischen ein kleines Paradies für Touristen geschaffen, die abseits des Massentourismus individuelle Touren suchen, oder einfach mal die Abgeschiedenheit genießen wollen. Eine völlig neue Art des Tourismus ist somit entstanden. Ruhe, Rückbesinnung, Entschleunigung und absolutes Runterkommen garantiert.

„Wo sonst kann man noch Pionier sein?“, fragt er uns mit einem breiten Grinsen. Ssemjon fühlt sich schon wie ein richtiger Norweger. Im Restaurant des Gästehauses bietet er gemeinsam mit seinem jungen Team lokale Speisen an. Zu unserer Begrüßung gibt es Zunge vom Skrei mit Kartoffeln und Möhren. Klassischer und authentischer geht‘s wohl nicht mehr. Rentierschinken und Trockenfisch folgen und der norwegische Aquavit darf natürlich nicht fehlen.

TRAVELER

Waffeln mit Braunkäse und Konfitüre

30 min
Leicht
€€€€€

Als es dunkel wird verspricht uns Ssemjon das wir hier die Chance haben richtig intensive Nordlichter zu sehen. Da wir weit und breit nur von Dunkelheit umgeben sind, leuchten die Polarlichter hier besonders hell. Wir bereiten uns also auf eine lange Nacht vor, denn Ssemjon warnt uns vor. „Wer einmal anfängt zu fotografieren und den Trick mit der Belichtung raushat, der kann so schnell nicht aufhören. 

Wir rechnen mit einem ziemlichen Spektakel und einer Art Lasershow wie bei Jean Michel Jarre und werden von einer riesig grünen Leuchtwelle am Himmel überrascht. Schlagartig befinden wir uns auf einem anderen Stern und sind komplett platt. Das grüne Licht kommt, geht, strahlt und macht Formationen am Nachthimmel. und lässt uns mit offenen Mündern in der Dunkelheit stehen. Dieses Ereignis kann man eigentlich gar nicht beschreiben, man muss es einfach live miterlebt haben. So wunderschön ist es.

Am Besten ihr besucht Ssemjon selber in Nordnorwegen und erlebt die Wunder der Natur hautnah. Eine Reise, die ihr sicher nie vergessen werdet.

Das Nordlicht ist übrigens auf der Nordhalbkugel auch als Aurora Borealis. Übersetzt bedeutet das so viel wie die "nördliche Morgenröte". Auf der Südhalbkugel existieren übrigens auch Südlichter, die Aurora Australis (südliche Morgenröte) genannt werden. Nordlichter sind Elektrometeore, die durch das Auftreffen geladener Teilchen des Sonnenwindes auf die Erdatmosphäre speziell an den Polen der Erde hervorgerufen werden.

Abreise

Eine ereignisreiche Woche neigt sich dem Ende zu. Wir kehren mit frischen Kopf, neuen Inspirationen und Gelassenheit zurück nach Deutschland.

Bis bald, Nordnorwegen! Wir freuen uns schon auf ein nächstes Mal.

TRAVELER

Klippfisch mit Kartoffeln

1510 min
Mittel
€€€€€