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Lifestyle

Ein Liebesbrief an den Senf

Oh mein Geliebter! Diese Worte gelten dir allein… so oder so ähnlich klingt der Anfang eines Liebesbriefes an the one and only – den Senf!

Alisa
Alisa, Redaktion

Lieber Senf,

Als du mir das erste Mal auf dem Teller begegnet bist, hätte niemand geahnt, dass wir gemeinsam aufregende Küchenabenteuer erleben würden. Als ich gerade einmal sechs Jahre alt war, wurdest du mir als klatschnasser Klecks auf mein buntes Einwegtellerchen gequetscht und warst der scharfe Begleiter meiner gegrillten Wurst. Damals konnte ich dich nicht ausstehen. Noch am selben Tag trennte ich mich von dir und fand mit Tomatenketchup aus der Tube einen neuen Wurst-Komplizen. Heute weiß ich, dass es die Wurst war – und nicht du.

In den folgenden Jahren wechselten meine Partner in Crime. Ein paar jugendliche Monate verbrachte ich mit würzigem Curry-Ketchup, der stets treu im Kühlschrank meiner Eltern auf mich wartete. Ich verliebte mich in Tzatziki aus der Plastikpackung und wurde immer wieder enttäuscht. Und nach einer kurzen Affäre mit Fertig-Cocktail-Sauce musste ich feststellen: Nach der großen Liebe schmeckte niemand von ihnen.

Es schien, als konnte ich dich nie ganz vergessen. Bei jedem Supermarktbesuch blieben meine Augen im Vorbeigehen des Senfregals an dir hängen. Im Küchenschrank meines Mitbewohners (ich war mittlerweile 19 Jahre alt) versteckte sich stets eine Sammlung bunter Senfsorten und bei jeder Grillparty – in den Jahren hatte sich wohl kaum etwas verändert – standst du noch immer ganz oben auf der Liste der Must-Haves.

Anscheinend hatte ich keine andere Wahl, als dich, lieber Senf, zu akzeptieren. Und so kam es, dass die abgeklärte Akzeptanz noch im gleichen Sommer einer erneuten Annäherung wich. Eine gute Freundin, die deine schmackhaften Werte schon lange erkannt hatte, öffnete eines Tages ein glänzendes Glas…von dir, Senf. Direkt vor meinen Augen versenkte sie dich gemeinsam mit süßem Honig, aromatischen Balsamico und gutem Olivenöl in einem Weckglas, schüttelte dich nach dem Verschließen durch und ergoss dich anschließend über die von mir fein säuberlich geputzten Salatblätter. Was hatte sie da nur getan?

Nun saß ich da, mit meiner Gabel am Küchentisch – unentschlossen. Mein Magen sendete mir hungrige Signale. Und so stach ich mit den stumpfen Zacken mutig in ein von Honig-Senf-Dressing umsäumtes Blatt und ließ es meine Lippen berühren. Und was soll ich sagen? Der erste Bissen machte Lust auf einen weiteren. Gabel für Gabel rückte die Grillwurst-Erinnerung in die hinterste Ecke meines Kopfes. Ja, als charmante Begleitung zu knackigen Salaten begegnest du mir seither immer wieder.

Es kam wie es kommen sollte: Als bester Küchenfreund und geliebter Würzpartner bist du heute immer an meiner Seite. Ich benutze dich – und das täglich. Ich paare dich mit Kräutern für würzige Marinaden, mische dich unter cremige Dips und verkoche dich in fruchtigen Chutneys. Auf dich kann ich zählen. Ja, sogar süße Rezepte perfektionierst du mit deinem dezent würzigen Charakter. Ein Apfelkompott mit Senf? Eine Galette mit Aprikosen und Senf? Eine Tarte au Chocolat? Bist du dabei, sag ich nicht Nein.

Ein Leben ohne dich, oh Senf? Das kann ich mir nicht vorstellen. Und wenn das Glas leer ist, dann bin ich nicht betrübt, denn wir finden uns wieder. Unser verlässlicher Date-Treffpunkt: das Supermarktregal.