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Lifestyle

Israelische Küche: Gekommen, um zu bleiben

Wer mit offenen Augen durch Großstädte, Bücherläden und das Web streift, sieht sie überall: Israelische Küche. Kein Wunder, denn sie vereint gleich fünf Eigenschaften, die wir lieben. Welche das sind? Ich verrate es euch!

von LARA GAHLOW


Es gibt Foodtrends, die sich einem regelrecht aufdrängen. Haben wir uns gerade an Burger gewöhnt und Süßkartoffelpommes in unserem Leben willkommen geheißen, wird unser Gaumen übergangslos an die Pho weitergereicht. Und wer will überhaupt ständig rohen Thunfisch in überteuerten Superfood-Schüsseln serviert bekommen? Wer mit offenen Augen durch Berlin läuft oder die Kochbuchecke im Buchladen durchwühlt, stolpert nun wieder über etwas Neues. Es ist jedoch ein sanftes Stolpern, ein kurzes Taumeln, kein Fallen. Ich spreche vom Tel Aviv Takeover, vom Siegeszug der israelischen Küche. Sie erobert unsere Straßen, unsere Gaumen und unsere Herzen. Unaufgeregt und wahnsinnig charmant reiht sie sich in der Geschichtsschreibung hipper Großstadtgastronomie direkt hinter Ramen ein. Eine kulinarische Übernahme, die hoffentlich gekommen ist, um zu bleiben.

Doch dieses Mal ist irgendwas anders! Bei den meisten Nationalküchen wissen wir, was uns erwartet. Wir hadern zwischen den beiden großen P’s beim Italiener und ordern Tapas beim Spanier. Wir verbrennen uns die Zunge an vietnamesischer Pho und bestellen „Guac extra“ beim Mexikaner. Dass unsere einfach gestrickten Assoziationsketten bei israelischer Küche ein waberndes Fragezeichen über dem Kopf hinterlassen, ist nicht unsere Schuld. Lasst mich diesen Irrtum direkt aufklären, sollte es ihn je gegeben haben: die eine, wahre israelische Küche, die gibt es nicht. Das liegt in der Natur der Sache. Israel ist ein Einwandererland, in dem über 60 Nationalitäten zusammenleben. Und die bringen – wie sollte es anders sein – ihre Rezepte und Zutaten mit. So wird das lokale Kochbuch mit Shakshuka und Hummus ständig um mediterrane, libanesische, irakische oder arabische Einflüsse ergänzt. Auch die politischen Situation, die hier gar nicht im Fokus stehen soll, findet sich in der Küche wieder: Sie gibt ihr eine Schnelllebigkeit. Es ist ein Leben im Jetzt, das in einer wahnsinnigen Experimentierfreude resultiert. Viele traditionelle Nationalküchen lassen diese Dynamik vermissen und rühren in Töpfen des Status Quo. Nicht so in Jerusalem, Tel Aviv und Co.! Denn hier finden sich Neugierde und die Lust auf Fusion in dem wieder, was paradoxerweise vor allem als Label gut funktioniert: israelische Küche. Und das Konzept geht auf! Mir fallen da gleich fünf Gründe ein, warum das so ist:

1. Die israelische Küche ist neu und andersartig. Hier werden plötzlich Eier in Tomaten-Paprika-Ragout geschlagen … also wirklich! Gewürze, die dem ein oder anderen nur vom Hörensagen bekannt vorkommen, finden sich unverhofft in jedem Rezept wieder. Gleichzeitig hat unsere ausgeprägte Dönerkultur, die eben auch mit der Falafel einhergeht, bereits Vorarbeit geleistet. So manches Gericht ist daher neu und gleichzeitig bekannt. Die mediterranen Einflüsse bringen jedoch zum Beispiel auch Rosmarin ins Spiel. Der ist zwar alt bekannt, aber keinesfalls langweilig.

2. Das Essen ist gesund und leicht. Frische Kräuter, viel Gemüse und knackige Salate sorgen für eine gesunde und ausgewogene Ernährung. In Kichererbsen, die in den verschiedensten Formen – ob cremig als Hummus oder knusprig als Falafel – auf den Teller kommen, steckt wertvolles Eisen. Von einem Besuch beim Israeli geht man daher beschwingten Fußes nach Hause, ohne vom Foodkoma gelähmt zu sein. Außerdem war Shakshuka schon Low Carb, bevor dieser Begriff unser Life (in Balance mit Work, versteht sich) prägte.

3. Die Küche ist außerdem versöhnlich. Wer in ein israelisches Restaurant geht, löst im Handumdrehen den ewigen Fleisch- vs. Veggie-Kampf auf. Und das, ohne dass es jemandem auffällt! Denn viele israelische Gerichte sind von Haus aus vegetarisch, viele sogar vegan. Auch unsere Freunde mit Glutenunverträglichkeit, No-Carb-Ambitionen oder Weingelüsten kommen unkompliziert auf ihre Kosten.

4. Das Speisen selbst ist wahnsinnig gesellig! Nehmen wir zum Beispiel Mezze: Hier werden verschiedene leckere Minispeisen in bunten Schüsseln in der Tischmitte ausgebreitet. Freunde und Fremde, die zu Freunden werden, stürzen sich dann gemeinsam auf die orientalische Variante der Tapas, die dem spanischen Original in nichts nachsteht. Denn mal ehrlich: Die deutsche „Das-ist-mein-Teller“-Esskultur ist sowieso voll daneben. Überwinden wir also unseren Futterneid!

5. Es sind nicht nur die verschiedenen Geschmacksnuancen, die zusammen über den Gaumen tanzen. Oft wird auch in israelischen Restaurants, Bistros und Bars getanzt. Oder gelesen, gesungen und aufgelegt. Denn viele der Lokalitäten verbinden Genuss mit Kultur, kombinieren beides gekonnt mit herzlicher Gastfreundschaft und kreieren so einen bunten Mix, der wortwörtlich über den Tellerrand blicken lässt.

Macht sich auch schon der Duft von Kreuzkümmel und Kardamom, von Petersilie und Pita vor eurer Nase breit? Dann haben wir hier eine prall gefüllte Galerie herrlicher Rezepte, die den kulinarischen mittleren Osten in eure Küche holt. Abspeichern lohnt sich, denn ich vermute: Dieser Trend ist gekommen, um zu bleiben.