WM ohne Italien

WM ohne Italien? 5 Gründe wieso das nicht geht!

Italien ist nicht nur Pizza und Pasta, Italien ist auch ganz viel Calcio. Die WM in Russland findet allerdings ohne die stolze Fußballnation statt – und das kann nicht richtig sein.

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Ein Artikel von Giuseppe

„L’italiano vero” bei FOODBOOM mit einem Faible für Pasta & Drinks. Als digitaler Nomade ist er unser Social-Media-Crack, fühlt sich aber auch am Herd und vor der Kamera pudelwohl.

Wie lebt es sich eigentlich als Italiener in Deutschland? Ziemlich gut, würde ich sagen. Wenn da nicht diese Fußball-Weltmeisterschaft in immer größer werdenden Schritten näher rücken würde. Ich, als riesiger Fußballfan, habe so einem Turnier noch nie so emotionslos gegenüber gestanden, wie in diesem Jahr. Eine WM ohne Italien, das erste Mal seit 60 Jahren und ganz ehrlich: Ich hätte bis vor einigen Wochen nicht im Traum daran gedacht, dass ich sowas zu Lebzeiten mal durchmachen würde. Tja, so kann man sich irren…

Jetzt muss ich da durch, durch die Häme meiner Freunde und durch dieses Turnier, das ohne die Squadra Azzurra stattfinden wird. Bis zur EM 2016 habe ich zwar auch immer gut ausgeteilt, aber aktuell überwiegt nur noch Trauer, zumindest für mich. Meine Freunde sparen es sich eher selten, mich an diesen Umstand zu erinnern. Nach außen hin versuche ich dabei mit eiserner Miene ganz regungslos zu bleiben, innerlich blutet aber mein Herz!

Deshalb, liebe Freunde, würde ich euch einfach gerne mal an ein paar Dinge erinnern, die es ohne Italien bei dieser WM eben nicht geben wird – und die zweifelsohne fehlen werden:

1. Die Gesangskunst

„Fratelli d’Italia, L’Italia s’è desta, dell’elmo di Scipio s’è cinta la testa.“ Ganz ehrlich: Welches andere Land singt die eigene Hymne mit so viel Inbrunst, voller Stolz und als wäre es in dem Augenblick das Wichtigste der Welt. Mir fällt niemand ein. Und genau solche Darbietungen werden bei derWM in Russland definitiv fehlen.

2. Der stilsichere Auftritt

Stilsicher zeigt sich nicht nur die italienische Küche. Sondern auch die italienischen Nationalspieler, die bislang bei jedem großen Turnier in ihren maßgeschneiderten Anzügen aus dem Flieger gestiegen sind, als würden sie geradewegs vom Mailänder Laufsteg kommen. Diesmal gibt’s weniger fürs Auge und das wird sicherlich auch der ein oder andere Fan – zu Recht – bedauern.

3. Gesten und Emotionen

Pippo Inzaghi, einer der bekanntesten Stürmer vergangener Tage, hat die Art der Gestikulation nach einigen seiner berüchtigten Schwalben oder anderen Differenzen mit Schiedsrichtern wahrscheinlich perfektioniert. Klar mag sich da der ein oder andereFan über das ständige Lamentieren aufregen, aber gibt es denn einen charmanteren Weg, als mit der Sprache der Hände seinen Unmut zu äußern? Außerdem eröffnet es den Fans anderer Nationen die Möglichkeit, sich mehr über das Lamentieren der Italiener als über schwache Leistungen der eigenen Nation aufzuregen. Was will man mehr?! Und dann sind da auch noch all diese Emotionen: Bei der EM 2016 hat Deutschland Italien erstmals (!!!) in einem Pflichtspiel aus dem Wettbewerb befördert. Wer erinnert sich da nicht an die Tränen des Abwehrrecken Andrea Barzagli unmittelbar nach dem Spiel. Come on, Leute, spätestens danach hatten ja wohl alle wieder ein wenig Mitgefühl. Und es zeigt auch: Echte Männer weinen nunmal auch in der Öffentlichkeit :)

4. Die Duelle mit Deutschland

Auch, wenn es meist ein negatives Ende für Deutschland hatte, sind die Spiele dieser zwei Fußball-Großmächte aus keinen Geschichtsbüchern der Welt wegzudenken. Das Halbfinale bei der WM 1970 gilt sogar noch bis heute als Jahrhundertspiel (4:3 n. V. fürItalien). Auch das letzte Spiel bei der EM 2016 in Frankreich (6:5 n. E. für Deutschland) erlebte ein sehr denkwürdiges Elfmeterschießen. Die Geschichte zeigt also, dass Duelle dieser beiden Nationen stets für einen großen Unterhaltungswert stehen bzw. standen – darauf muss dieses Jahr verzichtet werden..

5. Keine gute Laune beim Italiener eures Vertrauens

Was Italiener wirklich draufhaben: gute Gastgeber zu sein! Ein Image, das während der WM-Phase vielleicht ein wenig angeknackst werden könnte. Wir wissen doch alle, dass der Lieblingsitaliener am besten kocht, wenn er mit viel Liebe und noch mehr guter Laune am Werk ist. Beide Dinge werden während der WM nicht gewährleistet sein. Zu stolz ist jeder Italiener, um das Verpassen dieser Fußball-WM einfach so ausblenden zu können – ein echtes Handicap beim Kochen! Und so viele Tage ohne das perfekte italienische Essen beim Lieblingsitaliener: das kann doch niemand wollen!

Was das nun für mich heißt: Ich bin ein zu großer Fußball-Fan, als dass dieser Spaß gänzlich an mir vorbeigehen könnte. Sympathien für meine Wahlheimat Deutschland sind natürlich auch da – aber eben nicht so extrem wie für Italien. Drum sind es für mich eher nur die tollen Spielzüge, schönen Tore und Überraschungen, die zumindest für ein kurzzeitiges Lächeln in meinem Gesicht sorgen können. Und wenn der Spuk dann gänzlich vorbei ist, hoffe ich, sowas nie mehr erleben zu müssen!