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KOLUMNE

Von Plastik im Ozean und Bienenwachstüchern

Plastik, Plastik überall – vor allem in unseren Ozeanen. Was wir dagegen tun können? Zum Beispiel keine Frischhaltefolie benutzen. Dafür Bienenwachstücher. So sieht Redakteurin Alisa das.

von ALISA VOLTERMANN

Seit gestern ist es offiziell: Das Europaparlament hat für ein Verbot von Wegwerfprodukten aus Plastik gestimmt. Natürlich ist der Kompromiss noch nicht ausgehandelt. Doch Strohhalme, Teller, Löffel und Gabeln aus Plastik, die es in unzähligen Regalen zu kaufen gibt, sollen verbannt werden.

Wir feiern ausgelassene Partys, bei denen wir süffiges Bier aus roten Plastikcups trinken, die wir am nächsten Tag in einen dicken blauen Sack schmeißen, der dann im Hinterhof in einem Container landet. Ist doch alles cool, also wo liegt das Problem? Einfach gesagt: Die Verschmutzung der Meere. Ca. 80 Prozent des Mülls in den Weltmeeren besteht nach Angaben der Kommission aus Plastik – Plastikgeschirr inklusive. Alleine in Europa entstehen jedes Jahr 26 Millionen Tonnen Plastikmüll.

Klebriges Bonbonpapier, siffige Bierdosen und bunte Müsliverpackungen ­(Ja, auch die Verpackungen vom fair produzierten Knuspermüsli in Bio-Qualität). Die To-Go-Kaffeebecher mit der Plastikbeschichtung muss ich wohl kaum erwähnen. Alles ist aus Plastik und schlichtweg zerstörerisch für die Umwelt.

An S-Bahn-Stationen hängen Plakate in überdimensionaler Größe, auf denen Haie mit massenhaft Müll im Maul die Aufmerksamkeit der wartenden Menschen auf sich ziehen. Knapp 220.000 Beiträge wurden bei Instagram bereits mit #safeouroceans getaggt. Immer mehr Unternehmen produzieren für die Rettung der Ozeane Schmuck und Klamotten – aus Plastik aus dem Meer. (Natürlich musste ich mir einen Bikini bestellen, der ehemals Plastik war.) Ja, überall wird für die Rettung der Ozeane plädiert. Zurecht, denn die überdimensionalen Mengen Plastik in den Weltmeeren sind absurd.

Und ja, das will ich auch! Ich liebe das Meer. Das wohlige Gefühl im Bauch sobald man die nackten Füße in den Sand steckt und auf glitzerndes Wasser guckt ist einfach unvergleichlich. Jedes Mal. 

Und dann ärgere ich mich über mich selbst. Vergangenes Wochenende noch, während eines kurzen Italien-Abstechers ans geliebte Meer, haben Freunde und ich neben zwei Flaschen italienischem Wein Plastikbecher auf das Kassenband gelegt – für das romantische Glas Vino am Wasser. Oder das nicht ganz so romantische Plastikbecherchen Vino am Wasser. Gut, ehrlicherweise haben wir keinen Wein am Wasser, sondern in den belebten Gassen von Venedig getrunken, aber es geht um das Prinzip und das heißt Plastik. Von jetzt an heißt es: Arrivederci, Plastikbecher!

Wovon ich mich auch verabschiedet habe? Von Alufolie. Und Frischhaltefolie. Während viele wohl ganz unfreiwillig eine tiefe Liebe zur küchentreuen Folie entwickelt haben, könnte meine Abneigung größer nicht sein. Alufolie ist laut und mit Frischhaltefolie kann ich einfach nicht umgehen. Ständig klebt sie an sich selbst und ist am Ende nur noch ein Haufen… Plastik. Stattdessen sind in meiner I-wanna-save-the-ocean-Küche jetzt Bienenwachstücher eingezogen. Hübsche Bienenwachstücher von LITTLE BEE FRESH um genau zu sein, die für das Abdecken und Einwickeln von Lebensmitteln immer wieder verwendet werden können.

Die Fakten im Schnelldurchlauf: Die bunten Wachstücher des Startups von Mutter Rosemarie und Tochter Angelika enthalten kein einziges Plastikpartikel, sondern ausschließlich – ich zitiere – zertifizierte Baumwolle, Bienenwachs von Biolandimkern, Baumharz direkt aus Österreich und Bio-Jojobaöl aus Israel. Zudem wird das Design mit veganen Farbstoffen gedruckt. Die Wachstücher sind formbar und halten an glatten Oberflächen ganz von alleine. Kein lautes Knistern, kein Reißen, kein Haufen.

Warum Bienenwachs? Die leidenschaftlichen Imkerinnen kennen sich aus. Bienen bauen Waben, in denen sie ihren Honig lagern (Spoiler: zum Thema Honig komme ich in der nächsten Kolumne). Für die Erhaltung der Bienenvölker tauschen Rosemarie und Angelika die Waben jedes Jahr aus und gewinnen daraus das Wachs für die Baumwolltücher. Ein großer Vorteil der Beschichtung ist die antibakterielle Wirkung. Wer dennoch auf das Bienenwachs verzichten will, kann die Baumwolltücher mit pflanzlicher Beschichtung in den Warenkorb schieben.

Safe the Ocean! Für all die schönen Mehr-Meer-Gefühle.

PS: Auf der Suche nach mehr Meer bin ich in diesem Jahr viel zu häufig in ein Flugzeug gestiegen. Aber Reisen mit dem Zug steht ganz oben auf meiner What-I-need-to-do-more-Liste. Auch wenn ich das aufgewärmte Flugzeugessen über den Wolken echt gerne mag.