TRAVELER

Skurril und chaotisch: Der Mercado de Bazurto

Ihr wollt Kolumbien hautnah und so authentisch wie möglich erleben? Dann ist ein Marktbesuch absolutes Muss! Wir haben uns auf dem legendären Mercado de Bazurto in Cartagena umgesehen und allerlei Kurioses erlebt.

Svenja
Ein Artikel von Svenja

Food-Redakteurin Svenja liebt stundenlange Koch-Experimente. Als Hobby-Selbstversorgerin macht sie viel von der Pike auf selbst & würzt ihre Artikel mit nordischem Flair und How tos.

Das rege Treiben, das Feilschen, die engen Gassen, die Gerüche und die unglaublich große Vielfalt an Obst- und Gemüsesorten auf kolumbianischen Märkten ist jedes Mal eine Herausforderung und ein Highlight zugleich! Was ihr erwarten dürft? Stapelweise frische Bananen, Maracujas, Erdbeeren, Kokosnüsse, Zitrusfrüchte und Avocados, aber auch einige Neuentdeckungen, wie die Guave, Baumtomaten, die Andenbeere Mora, Lulos, Granadillas oder Mamoncillos. Dazu eine ganze Reihe an verschiedensten Kartoffelsorten, Maniok, Tamarinde, Kochbananen, getrockneten und frischen Fisch, sowie Fleisch.

Während unserer Kolumbienreise haben wir insgesamt drei Märkte besucht: den riesigen Mercado de Bazurto in Cartagena, den recht westlich anmutenden Plaza de Mercado Distritales in Bogotá und einen kleinen Bauern-Markt in Marsella. Der Mercado de Bazurto hat besonders Eindruck bei uns hinterlassen. Er ist abenteuerlich, skurril, chaotisch, dreckig – und absolut authentisch für den Reichtum an Lebensmitteln, den dieses Land zu bieten hat.

Pures Chaos auf dem Mercado de Bazurto
Schon mal eine Tüte Hühnerfüße gekauft? In Kolumbien keine Seltenheit

Im Vorhinein haben wir schon einiges über den Mercado de Bazurto gehört. Er soll angeblich vor Dieben und Mördern nur so wimmeln, gleichzeitig bietet er ein besonders vielfältiges Lebensmittelangebot aus dem ganzen Land: Tropische Früchte und Fisch von der karibischen Küste, Gemüse aus den Bergregionen um Bogotá und jede Menge Skurrilitäten. Internationale und deutsche Zeitungen sind sich einig, der Mecardo de Bazurto sei nichts für Touristen – dem wollten wir auf den Grund gehen und haben uns in das riesige Labyrinth aus Marktgassen hineingewagt.

Obwohl wir nur ca. 15 Minuten östlich von Cartagenas Stadtzentrum entfernt sind, haben wir das Gefühl in eine völlig andere Welt einzutauchen. Es ist Punkt 7:00 Uhr am Morgen, hinter uns die noch ruhige Stadt mit ihren bunten Fassaden und vor uns ein erster Vorgeschmack von dem, was einen Marktbummel in Kolumbien ausmacht: Stapelweise frische Bananen, Ananas und Maracujas. Zwei Männer köpfen und entschuppen frischen Fisch auf blanken Holztischen, während am Stand gegenüber Kokosnüsse mit Macheten aufgeschlagen werden. Weiter hinten erwarten uns Schweinsköpfe, die an Haken von der Decke baumeln und frisch entnommene Innereien auf der Schlachtbank. Ein Friseur hat sich neben dem Metzger eingerichtet, der gerade wiederum Brät für Wurst herstellt. Und dann fährt auch noch ein Wagen mit enthäuteten Rinderschädeln an uns vorbei. Krasse Gerüche, krasse Bilder – wir sind hart geflashed. In den unendlichen Weiten dieses Marktes türmen sich an jeder Ecke eine Vielzahl an Obst- und Gemüsesorten, die wir noch nie gesehen haben. Wir probieren unter anderem süße Guaven, die Andenbeere Mora und die Lulofrucht, die in Kolumbien besonders beliebt ist. Sie sieht ein wenig aus, wie eine Tomate und wird vor allem in Fruchtgetränken verwendet. Unser Tipp: Lulofrucht lieber auslassen und dafür die Mamey sapote probieren! Das war für uns das größere kulinarische Highlight! Sie schmeckt nach Melone, Mango, Birne und Apfel gleichzeitig.

Die Andenbeere Mora sieht aus wie eine rote Brombeere
Hättet ihr darauf getippt, dass das hier zwei verschiedene Kartoffelsorten sind?

Hannes hält plötzlich etwas Braunes in der Hand und zeigt es uns: Tamarinde. Selbst Hannes hat sie vorher noch nie live und in Farbe gesehen. Entsprechend ehrfürchtig begutachtet er sie von allen Seiten, knackt die Schale auf und probiert das Fruchtmark. Sein Gesicht verrät, dass es ihm geschmeckt hat. „Wenn ihr das pur auf etwas Gemüse oder Fleisch auftragt und auf den Grill werft, seid ihr der King! Da braucht man keine Saucen mehr.“ Und mit einem sehnsüchtigen Blick in die nächste Gasse fügt er noch schnell hinzu: „Ich wünschte mir wirklich, ich hätte zwei Tage Zeit, all diese Lebensmittel hier einzukaufen und dann nochmal eine Woche, um sie zu bearbeiten und zu kochen.“

Früchte, Beeren und Obst - der Mercado de Bazurto bietet einfach alles!

Wichtig: Egal ob es auf den Markt oder durch die Straßen Kolumbiens geht, ihr solltet beim Essen und Trinken ein paar Hygiene-Regeln beachten, um den restlichen Urlaub nicht im Bett verbringen zu müssen. Das Süßwasser in Kolumbien kann Keime und Schadstoffe enthalten und durch das feuchtwarme Klima in einigen Regionen werden Krankheitserreger noch begünstigt. Das könnt ihr tun:

  • Nur aus versiegelten Flaschen trinken oder Wasser vorher abkochen (z. B. für Tee), das gilt insbesondere für Leitungs- und Brunnenwasser
  • Achtet darauf, nur Speisen zu euch zu nehmen, die ausreichend gebraten oder gekocht wurden
  • Gerade bei der Fruchtvielfalt auf Märkten gilt „boil it, peel it or forget it“ (kochen, schälen oder ganz vergessen), dann seid ihr auf der sicheren Seite

Auch das ist eine Seite des Mercado de Bazurto: Fische werden entschuppt, geköpft und ausgenommen
Fisch und Schalentiere im Überfluss