Radieschen in Abtropfsieb von oben.
Warenkunde

Pinkes Gold – die große Radieschen-Warenkunde

Wenn im Mai die Hofmärkte ihre Auslagen füllen, sind Radieschen nicht weit und bringen ordentlich Farbe ins Spiel. Wir verleihen ihnen offiziell den Orden des „Pinken Goldes“. Warum? Das lest ihr hier – alles zu Nährstoffen, Verwendung und unsere liebsten Rezepte.

Leonie, Redaktion

Quizfrage an alle Saisonprofis: Was ist pink, scharf und kugelt sich im Frühjahr den Weg auf deutsche Speisekarten? Für die richtige Antwort gibt’s ein paar Radieschen! Während sich nämlich Ende April und Anfang Mai ganz Deutschland auf weißen und grünen Geschmack „von der Stange“ konzentriert, hat der Mai noch viel mehr Frühlingsgemüse in petto: Wir verpassen den pinken Knöllchen den Orden des „Most Valuable Gemüses“ und rollen den Radieschen den pinken Teppich aus – der ist nämlich eh viel schöner als sein roter Bruder. Unsere Meinung. Und wenn es nach dem Motto „Das Auge isst mit“ geht, sind die mild-scharfen Speicherknollen sowieso unschlagbar. Warum wir ohne mit der Wimper zu zucken Radieschen einen Platz in den Heiligen Hallen des Frühlingsgemüses gewähren? Hier lest ihr alles zu Nährstoffen, Verwendung, Lagerung und eine bunte Auswahl unserer liebsten Radieschen-Rezepte.

Herkunft und Ursprung

Woher kommen die gesunden, erfrischenden Frühlings-Sattmacher eigentlich? Warum wir ihnen das Attribut „Sattmacher“ verleihen, dazu später mehr. Jetzt geht es erst einmal auf Spurensuche. Radieschen dürften jedem schon einmal über den Weg gelaufen sein: als farbenfrohe Garnitur von Obazda, Käseplatten und Co., als knackiger Teil im frischen Salat oder als würzige Komponente in Kräuterquark, Kräuterbutter oder Brotaufstrich. All in all lässt sich festhalten, dass sich besonders die süddeutsche Küche den pinken Knöllchen verschrieben hat. Die Herkunft des Radieschens könnte allerdings für manch einen überraschend kommen: Radieschen haben ihren Ursprung im Fernen Osten und wurden in ihrer Ursprungsform schon lange in Japan und China als Zierpflanze gehalten. Ihren Weg nach Mitteleuropa fand das pinke Gold erst vor ca. 500 Jahren, wo sie sich im 16. Jahrhundert erstmals in Frankreich ihren Weg in die Herzen und Mäuler der Menschen gebahnt haben. Und was in Frankreich Trendstatus genießt, schwappt ja bekanntlich gerne mal nach Deutschland über.

Erscheinungsformen

Ob ganz pink, pink mit weißer Spitze (Weißpunktradieschen), ganz weiß (Blanche Transparente oder Eiszapfen), oder auch gelb und lila – Radieschen zeigen sich in einem ganz schön bunten Katalog von „Bekleidung“. Aber auch bei den kleinen Knöllchen wollen wir nicht oberflächlich sein, die inneren Werte sind nämlich immer gleich: schneeweiß – auch, wenn die kleinen Geschwister des Rettichs sich geschmacklich unterscheiden mögen, meistens besonders in puncto Schärfegrad. Am weitesten verbreitet sind heute und hierzulande die 2 bis 3 cm großen Knollen mit rot-pinker, ganzflächiger Färbung. Kleiner Tipp von uns: Beim Gemüsehändler am Markt mal wieder die Qual der Wahl? Unsere Wahl fällt stets auf kleine, farbkräftige Knollen – intensiver im Geschmack, schärfer im Abgang und demnach besser in jeder Hinsicht.

Grüne Radieschensuppe Radieschen Putzen
Gründlich sein: Vor der Weiterverarbeitung sollte Wurzelgemüse gut geputzt werden.

Erntezeit

Ja, Radieschen genießen oft den Status des saisonalen Gemüses und als der perfekte Frühlingsbegleiter – eigentlich aber sind die pinken Knöllchen ganzjährig zu erhalten. Vom frühlingshaften Mai bis zum herbstlichen September sind Radieschen vom Freiland erhältlich, den Rest des Jahres werden sie im Unterglasanbau weiter gezüchtet. Aber sind wir mal ehrlich: Am besten schmecken sie einfach frisch vom Freiland geerntet von Frühling bis Herbst. Da müssen wir auch nicht diskutieren. Gilt übrigens für alle saisonalen, regionalen Obst- und Gemüsesorten.

Geschmack

Der mild-scharfe Geschmack liegt wohl in der Natur der „Familie Rettich“ – Radieschen ähneln dem Rettich und beide Gemüsesorten substituieren sich in der Küche auch gerne einmal gegenseitig. Der Verursacher dieser milden Schärfe? Radieschen sind Kreuzblütler – und in diesen sind bekanntlich Senföle enthalten, die sich wohlig warm im Körper ausbreiten. Lehnen wir uns weit aus dem Fenster, wenn wir sagen, dass Radieschen unsere Droge sind?

Nährstoffe

Radieschen – pures, pinkes Gold für Figur und Gesundheit. Den pinken Knöllchen könnten wir eine Menge Spitznamen geben: Fitmacher, Verdauungsförderer, Diäthelfer, Entzündungshemmer – und das sind nur ein paar von ihnen. Warum? Ein Blick auf die enthaltenen Nährstoffe schafft Klarheit: Auf 100 Gramm Radieschen fallen lediglich 16 kcal. Und Fett? Ist mit nur 0,1 g Fehlanzeige! Eine hohe Fülle an Ballaststoffen macht fit und trickst gekonnt nervige Heißhungerattacken aus. Und mit 94 % Wasseranteil sind die pinken Knollen ein echt leichter, smarter Snack, mit dem wir uns dann gerne die Bäuche vollschlagen. Und auch vitamintechnisch haben Radieschen ordentlich etwas zu bieten: 27 g Vitamin C auf 100 g decken schon einmal einen guten Teil des durchschnittlichen Tagesbedarfs ab. Apropos, Tipp für alle Vitamin C-Hunter: Eine intensive rote Farbe ist ein Indiz für einen besonders hohen Vitamin C-Gehalt. 

Sonst noch was? Radieschen sind voller bioaktiver Stoffe, die Galle und Leber anregen und dem Verdauungstrakt ordentlich positives Feuer verpassen. Die Senföle der Kreuzblütler sind zudem echte Keim- und Entzündungshemmer: Dank ihnen wird ein mild-scharfer Schutz über Darm und Blase gelegt und diese vor unangenehmen Entzündungen bewahrt. Auch beeinflussen sie den Zuckerstoffwechsel günstig und stabilisieren ihn, was dem Blutzuckerspiegel von Diabetikern eine positive Bilanz verpasst und Nicht-Diabetiker vor dieser Krankheit schützen kann.

Zuletzt noch ein ziemlich nützlicher Faustregel-Tipp: Je kleiner, desto schärfer, desto gesünder.

Die Pro-Liste könnte wohl noch ein wenig fortgeführt werden, wenn wir hier noch weiter ins Detail gehen würden, die Contra-Liste hingegen ist kurz: Wo Schärfe und satte Auswirkung auf Magen-Darm-Trakt ist, sind Unverträglichkeiten nicht weit. Manchen bekommen die pinken Knollen nicht gut. Deswegen: Vorsicht! Bloß nicht überfuttern.

Lagerung

Wenn die pinken Fitmacher erst einmal im Einkaufswagen gelandet sind, dann sollten diese auch schnellstens verzehrt werden: Zwischen 2 und 3 Tagen sind Radieschen im Kühlschrank haltbar. Damit diese auch knackig und frisch bleiben, sollten vor der Lagerung die Wurzeln und das Grün entfernt werden und der Rest in einem feuchten Küchentuch im Gemüsefach gelagert werden. Knackig mögen wir unser Gemüse eben am liebsten.

Grüne Radieschensuppe Radieschen Schneiden
Hacken, hobeln, reiben – die Möglichkeiten der Radieschen-Verarbeitung sind grenzenlos.

Zubereitung

Wie bei jedem Wurzelgemüse gilt auch bei Radieschen: gründlich waschen! Nützliche Geheimwaffe dafür? Definitiv der Gemüseschwamm. Danach die Radieschen gut trocken tupfen, Grün und Wurzelspitzen entfernen – und dann sind dem eigenen Gusto und der Kreativität beinahe keine Grenzen gesetzt. Geschnitten auf dem Butterbrot, gerieben im Kräuterquark, geviertelt im Salat, gedünstet mit Pellkartoffeln – die milde Schärfe ist vielseitig einsetzbar.

Was die wenigsten wissen: Das Radieschengrün kann auch problemlos verwendet werden #nowaste. Ob schmackhaftes Nusspesto oder kleingeschnitten im Salat, in Kräuterbutter oder Quark oder in der Suppe – frisches Radieschengrün gehört nicht in die Tonne. Ist nämlich viel zu lecker!

Auf der Suche nach ein paar Rezepten? Wir haben hier unsere liebsten zusammengefasst: