Milch-Klärung wird in ein Rührglas gefiltert.
Drinks

All clear? Diese Technik macht euren Drink perfekt

Holt den Laborkittel raus, wir machen eine Klärung! Warum? Weil euer Drink mit diesem Milch-Zitronen-Trick ganz wunderbar samtig und ausgewogen wird.

Judith, Redaktion

All clear? Diese Technik macht euren Drink perfekt

Milchklärung - das klingt erstmal gar nicht sooo appetitlich und vor allem aufwendig. Aber, lasst euch gesagt sein: Schwierig ist bei diesem Rezept nur, eure Ungeduld unter Kontrolle zu bekommen. Denn neben Zitrone und Milch, ist Zeit die wichtigste Zutat. Philosophisch, aber wahr. Eure Mühe wird dann allerdings belohnt: nämlich mit einem Drink, mit der perfekten, samtigen Konsistenz und einem ausgewogenen Geschmack.

Wozu ist die Klärung gut?

Die Milch-Klärung geht bereits zurück auf den Anfang des 17. Jahrhunderts. Unsere Vorfahren haben wohl vor allem die konservierende Wirkung der Technik geschätzt, da geklärte Flüssigkeiten sehr lange haltbar sind. Aber ein geklärter Drink hat noch mehr Vorteile:

Geschmack: Die Klärung reguliert die „Schärfe“ des Alkohols und macht ihn weicher. Außerdem werden Bitterstoffe aus den Zutaten gefiltert, was den Cocktail letztendlich leichter, runder und ausgewogener macht.

Gefühl: Ein geklärter Drink sorgt für ein seidiges Gefühl im Mund. Außerdem schäumt er besonders gut, wenn er geshaked wird. Optik: Schwebstoffe werden aus den Zutaten gefiltert - euer Drink sieht also sehr klar und damit hochwertig aus.

Vorbereitung: Da sich ein Drink mithilfe der Klärung gut konservieren lässt, eignet er sich besonders gut für Parties. Er ist sozusagen die Party-Bowle 2.0. Wenn ihr eine Klärung ansetzt, macht einfach direkt eine größere Portion und füllt sie ab - dann seid ihr für alle Eventualitäten vorbereitet.

Das Ergebnis: Ein Drink, der nicht zu süß und nicht zu sauer ist.

Zucker für eine Milch-Klärung wird in ein großes Glas gegeben.
Zucker, Zitrone und Milch - ohne diese drei geht bei einer Klärung nichts!

Diese Zutaten braucht ihr für eine Milch-Klärung

Milch und Säure sind die beiden Schlüsselzutaten einer Klärung. Grundsätzlich benötigt ihr etwa drei Teile Milch auf einen Teil Zitronensaft bzw. Säure. Hinzu kommt dann natürlich eure Basis, zum Beispiel Gin. Das solltet ihr bei der Auswahl eurer Zutaten beachten:

  • Milch: jede tierische Milch (halbfett, Magermilch, Ziegenmilch etc.) funktioniert, fette Milch liefert allerdings das beste Ergebnis. Ihr könnt sogar Soja-, Hafer- und Nussmilch für die Klärung verwenden - sie nehmen aber auch Einfluss auf den Geschmack der Klärung.
  • Säure: Es muss nicht zwingend Zitrone sein, andere Zitrusfrüchte wie Limette oder Grapefruit funktionieren auch. Ihr könnt auch mit anderen Früchten, die Säure enthalten, experimentieren. 
  • Basis: Eurer Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Ihr könnt zum Beispiel Alkohol, Tee, Säfte, Sirup, Früchte oder Gewürze in eure Klärung geben. Alkohol müsst ihr nicht zwingend mit in die Klärung geben, ihr könnt ihn auch erst beim Mixen des Drinks hinzufügen. Natürlich wird sein Geschmack dann aber nicht durch die Klärung abgerundet.
Tee wird in ein Rührglas gegeben für eine Milch-Klärung.
Neben den Basics könnt ihr eurer Fantasie freien Lauf lassen, wir haben unter anderem schwarzen Tee dazugegeben.

Was passiert bei der Klärung?

Die Milch lässt sozusagen das samtige Gefühl im Drink, nimmt aber Bitterkeit (z.B. Tannine aus Wein oder Tee) und Säure mit. Einfach gesagt: Die Säure lässt die Milch brechen und diese bindet bestimmte Stoffe in den Zutaten.

Etwas genauer: Indem die Mischung mehrere Stunden (am besten über Nacht oder länger) steht, setzen sich die Milchproteine (Caseine) und binden dabei die Schwebstoffe aus den anderen Zutaten. Beim Filtern bleiben diese Teile zurück. Je öfter ihr die Flüssigkeit durch den Filter gebt, umso klarer wird sie.

Milch-Klärung wird durch ein Sieb und einen Trichter in ein großes Glasgefäß gegeben.
Der wichtigste Schritt: ordentlich filtern, bis keine Rückstände mehr in der Flüssigkeit sind.

Milch-Klärung: So geht's!

Eine Milch-Klärung ist ganz einfach hergestellt. Alles, was ihr dazu braucht, sind: 

  • Glasbehälter (ca. 1 Liter)
  • Frischhaltefolie
  • Schüssel (ca. 1 Liter)
  • feinmaschiges, großes Sieb
  • Küchentuch oder Passiertuch
  • Trichter
  • Kaffeefilter
  • Glasflasche (ca. 600 ml)
  • Zutaten eurer Wahl (z.B. Gin, Tee, Saft)
  • und die Hauptdarsteller: 150 ml Vollmilch, 50 g Zucker und 40 ml frisch gepressten Zitronensaft


Und so geht’s:

  1. Alle Zutaten in ein großes, geschmacksneutrales Gefäß, am besten aus Glas, füllen. Die Milch erst als letztes hinzufügen.​
  2. Alles einmal ordentlich durchrühren.
  3. Das Gefäß mit Frischhaltefolie abdecken, über Nacht stehen lassen – je länger desto besser – nach Möglichkeit an einem warmen, dunklen Ort.
  4. Anschließend zwei Mal mit einem Sieb und einem Passier- oder Küchentuch passieren.
  5. Mit Hilfe eines Trichters durch einen Kaffeefilter in die Flasche filtern.


Übrigens: Viele Profis schwören darauf, die Basis in die Milch zu geben und nicht die Milch in die Basis. Bei uns hat es aber ohne Probleme funktioniert, die Milch hinzuzufügen und wir haben einen perfekt klaren Drink erhalten ... Wie ihr aus dieser Basis einen Drink macht, erklären wir euch im Rezept zum Clarified Milk Punch!

Hier seht ihr, wie eine Klärung funktioniert:

Ist die Klärung ein mögliches Upgrade für günstigen Alkohol?

Wer jetzt denkt: So kann ich ja auch meinen billigen Schnaps aufwerten, hat theoretisch richtig gedacht. Allerdings klappt das nicht immer gut - es kann nämlich auch passieren, dass ihr mit dieser Methode die unschönen Komponenten der Spirituose betont. Und auch dem Kater am nächsten Tag hilft die Klärung nicht, denn diese Bestandteile filtert die Milch nicht raus …

Der Clarified Milk Punch in einem Tumbler auf einem kleinen Silbertablett.
Leuchtend, klar und einmalig im Geschmack: ein Drink auf Basis einer Milch-Klärung ist Perfektion im Glas.

Ihr wollt euer Bar-Wissen ausbauen? Hier findet ihr alles, was ihr wissen müsst:

Entsaften könnt ihr jetzt, aber es gibt noch viel mehr Tools, die in eurer Bar nicht fehlen sollten. Wir verraten euch welche - und wie ihr sie am besten nutzt: