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Kolumne

#8 Food Swap: Tauschbörse für Genießer

Was ist ein Food Swap? Wie läuft sowas ab und gibt es irgendwelche Spielregeln? Redakteurin Svenja hat einen Food Swap organisiert. Ihr Fazit: Unbedingt mal nachmachen!

von SVENJA STEIN

Stellt euch vor, es gäbe einen Ort, an dem ihr alle möglichen selbst gemachten Köstlichkeiten probieren könnt und eure Favoriten komplett cashless mit nach Hause nehmen dürft. Das Prinzip? Ein klassischer Tauschhandel: Ware gegen Ware. Klingt ganz nach einem Eldorado für jeden Foodie, oder? Die gute Nachricht: der Food Swap macht‘s möglich! 

Ich lief schon seit einiger Zeit mit dem Wunsch herum, genau so eine kleine Food-Tauschbörse zu organisieren. Ich hatte in einem Magazin von Food Swaps gelesen und fand die Idee einfach genial: Jeder bringt ausgewählte, selbst gemachte Schmankerl mit, diese werden von allen Anwesenden probiert und später untereinander getauscht. Am Ende des Tages geht jeder mit vollen Taschen nach Hause und hat sich mit Leckereien eingedeckt, die es in keinem Supermarkt gibt. I just love it!

Einen Food Swap selber zu organisieren, geht ganz easy

Auf Neugier folgen Taten: Die Vorbereitung des Food Swaps

Eigentlich braucht man nur eine Location, einen Termin und schon kann die eigene kleine Food-Tauschbörse losgehen! Gesagt, getan: Nach einer kleinen Doodle-Umfrage mit einigen Freunden und Bekannten wurde der erste Sonntag im Oktober (passenderweise auch noch Erntedanktag) festgezurrt. Mit einer kleinen Mail erklärte ich allen Beteiligten die Spielregeln:

  1. Jeder überlegt sich etwas, das er/sie für den Food Swap mitbringen möchte. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt, doch praktisch sind „handliche“ Mitbringsel, die in Gläsern, Flaschen, Tüten, Muffinförmchen, Dosen o.ä. transportiert werden können. So könnt ihr sie später leichter untereinander tauschen. Typische Food-Swap-Rezepte sind bspw. Kräutersalze, Honig, Cookies, Pralinen, Marmelade, Brotbackmischungen im Glas, selbst gemachtes Pesto, Liköre, Senf, Chutneys, Eingemachtes, Brotaufstriche, selbst gezogenes Gemüse oder Obst, Gewürzmischungen usw.
  2. Da eure Mitbringsel gleichzeitig eure Tauschwährung sind, solltet ihr euch vorab überlegen, wie viel ihr davon vorbereiten und tauschen wollt. Tipp: Wenn ihr vorab wisst, wie viele Leute zum Food Swap kommen, könnt ihr besser planen. Bei mir Zuhause waren wir 8 Leute und haben uns darauf geeinigt, dass jeder mindestens 5 Ausfertigungen seines Mitbringsels macht. 1 Ausfertigung wird offen auf dem Probiertisch hingestellt, damit jeder die Möglichkeit hat, alles einmal zu probieren und sich zu überlegen, mit wem er/sie nachher tauschen will. Die restlichen 4 Ausfertigungen sind zum Tauschen. Natürlich könnt ihr auch mehr Ausfertigungen machen. Das ist jedem selbst überlassen. 
  3. Schreibt bestenfalls auf einem extra Zettel, was in eurem Mitbringsel enthalten ist, damit auch Menschen mit Allergien, Unverträglichkeiten oder besonderen Ernährungsweisen wissen, was sie gerade essen.


    Ich hätte natürlich große Lust gehabt, von allen Teilnehmern schon vorab zu wissen, was sie mitbringen, aber ich wollte genauso überrascht werden, wie alle anderen. Jetzt hieß es also nur noch abwarten und sich überraschen lassen.

Es duftet herrlich auf dem Probiertisch

Im Food-Swap-Fieber

Am Sonntag, kurz vor 15:00 Uhr ist es dann endlich so weit. Wir packen eine Art „Grundversorgung“ in Form von Aufstrichen und Brot auf den Tisch (nur für den Fall, dass wir gleich doch nicht so viel zu probieren haben) und schon stehen die ersten Food-Swapper auf der Matte. Nach einem kleinen Klingel-Marathon mit anschließender Getränkeversorgung und Small Talk sind sie dann endlich alle da. Besonders schön: Für jeden von uns ist der heutige Food Swap eine Premiere.

Nach und nach versammeln wir uns im Wohnzimmer und stielen mit großen Augen auf den prall gefüllten Esstisch. So viele leckere und unterschiedliche Sachen! Jeder darf das Wort ergreifen und sein Mitbringsel kurz vorstellen: Marius hat eine FOODBOOM-Chilibutter für alle zubereitet und Baguettes gebacken, Julia kommt mit zuckerfreien, veganen Schoko-Kürbis-Muffins und Kristina packt ihre Salted-Caramel-Creme aus, die sie mit frisch gebackenen Croissants serviert. Unsere Nachbarn Maya und Dominik kredenzen süß verpackte Brötchen mit Rosmarin und Käse, die Franzbrötchen zum Verwechseln ähnlichsehen, meine Kolleginnen Jule und Alina stellen zweierlei Kräutersalze vor (ein Zitronensalz und eines mit italienischen Kräutern) und haben außerdem noch allerlei frische Kräuter und selbst gezogene Chilis aus dem Garten von Alinas Vater dabei. Mein eigener Beitrag besteht aus selbst gemachtem Pumpkin-Spice-Gewürz (wer meine letzte Kolumne gelesen hat, weiß warum ...) und Kürbis-Cupcakes mit Pumpkin-Spice-Buttercreme zum Probieren.

Etwas schüchtern stehen wir vor dem runden Probiertisch, bis das Buffet offiziell eröffnet ist. Dann ist keiner mehr zu bremsen: es wird gelöffelt, geschmiert und geknuspert. Wir sitzen alle um den Tisch herum, reichen da mal die Kräuterbutter rüber, schenken dort noch einen Wein nach, tauschen Rezeptideen aus, lachen viel und reden über Gott und die Welt. Gemütlich, locker und lecker – genau so habe ich mir meinen ersten Food Swap gewünscht. Und auch den anderen gefällt die Idee des Food Swappens. Wir sind uns schnell einig, dass es einen Nachfolger geben soll. Vielleicht sogar mit speziellem Motto, wie beispielsweise Advent oder Asien! Als der letzte Gast geht, ist es draußen schon lange dunkel und das Essen auf dem Tisch bis auf wenige Überreste weggetauscht. In meinem Kopf spiele ich heimlich schon Mottos für den nächsten Food Swap durch und schiebe mir noch ein letztes Stück Kräuterbutter-Brot in den Mund. Mhh, war das herrlich! 

Mit Liebe verpackt: Beim Food Swap tauscht ihr echte Schätze untereinander

Bist du reif für einen Food-Swap? Ein kleiner Selbsttest

Wenn ihr mindestens drei der folgenden Fragen mit Ja beantwortet, ist ein Food Swap das Richtige für euch:

  • Kocht oder backt ihr gerne?
  • Könntet ihr rund um die Uhr essen?
  • Lernt ihr gerne neue Menschen kennen?
  • Seid ihr die Sorte Mensch, die im Supermarkt oder auf dem Markt gerne Kostproben an Marketingständen probiert?
  • Tauschst ihr euch gerne über Rezeptideen aus und sucht Inspiration für die Küche?

Willkommen zum Food Swap! Mittlerweile gibt es in vielen Großstädten regelmäßige Food Swaps, z.B. in Berlin oder Köln. Wer keinen Food-Swap-Termin in seiner Stadt findet, kann jederzeit sein eigenes Wohnzimmer in eine Tauschbörse verwandeln. Mir hat das sehr viel Spaß gemacht und der Orga-Aufwand ist wirklich überschaubar. Traut euch!

Selbstgezogenes aus dem Garten eignet sich ebenfalls für einen Food Swap!

Mehr Selbstversorger-Chic

Das war es auch schon wieder mit Selbstversorger-Chic für dieses Mal. Nächstes Mal berichte ich euch von einem ganz besonderen Speise-Erlebnis und einem tollen Urban-Gardening-Konzept im Herzen Kopenhagens. Lasst euch überraschen.