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Ei, ei, ei ... Eierlikör für alle!

Und das nicht nur an Ostern! Also ran an die Töpfe und losgebraut. Wir zeigen euch, wie ihr den cremigen Genuss easy selber macht.

von ALINE JEHL

 

Darf’s noch n Likörchen sein? Das klingt nach Oma wie sie leibt und lebt. Früher habe ich das belächelt, aber jetzt komme ich in ein Alter, in dem sich der Likörchen-Lifestyle langsam aber sicher durchsetzt. Und das nicht nur an Ostern. Eierlikör und ich, das war nicht immer eine einfache Beziehung. Ich fand die Vorstellung von so viel Ei einfach unsexy, von der Farbe mal ganz zu schweigen. Dann kam die Wende und aus Hass wurde Liebe. Wie kam es dazu? Tja, alles fing mit einer Freundin der Familie an, die grundsätzlich nur mit ihrem Thermomix angereist ist. Wir haben das anfangs belächelt. Mal ehrlich, was kann der Thermomix, was wir nicht können? Die Antwort bekam ich schnell: geilen, frischen Eierlikör! Eine Liebe war geboren.

Wer Eierlikör für ein Frauen-Getränk hält ist kein Sexist – tatsächlich sind rund 80 % der Genießer weiblich. Außerdem ist Eierlikör nicht nur ein leckerer Genuss zwischendurch, er verpasst Kuchen, Torten und Desserts auch den richtigen Schwipps. Der Vorläufer von Eierlikör war ein Getränk der Ureinwohner im Amazonas auf Basis von Avocado. Die europäischen Eroberer verfeinerten es mit Rum und Rohrzucker und nannten es „Advocaat“. Zu dieser Zeit war Avocado in Europa kaum zu finden, weswegen das Fruchtfleisch der Avocado durch Eigelb ersetzt wurde. Et voilà: Der Eierlikör war geboren.

Der industrielle Eierlikör hat mit dem Getränk von damals nicht mehr viel gemeinsam. Heute ist die Herstellung ist reglementiert. Aber nur so lässt sich die Sicherheit der Eierlikör-Fans gewährleisten.

Eierlikör Marke Eigenbau

Eierlikör lässt sich herrlich einfach selber herstellen. Die wichtigsten Zutaten, wer hätte es gedacht: Eier & Alkohol. Setzt bei den Eiern auf gute Qualität, super frisch und am besten Bio sollten sie sein. Der Alkohol sollte ausreichend Umdrehungen haben (mind. 38 Vol.-%).

Für 500 Milliliter gelbes Gold braucht ihr etwa 8 Eigelb und 250 Milliliter Alkohol. Je nachdem wie stark ihr euren Likör mögt, solltet ihr mindestens die gleiche Menge Milch wie Alkohol verwenden. Für einen milderen Eierlikör könnt ihr die Milchmenge erhöhen. Statt Milch kann auch Sahne oder Kondensmilch verwendet werden. Dann wird der Likör dickflüssiger. Besonders beliebt: eine Mischung aus Milch und Sahne. Wer Milch nicht verträgt, kann laktosefreie Milch oder Milchersatz verwenden.

Und was macht einen richtig guten Likör sonst noch aus? Richtig, er ist süß. Also her mit dem Zucker. Für 500 Milliliter benötigt ihr 200–250 Gramm Puderzucker oder normalen Zucker. Abgerundet wird der DIY-Eierlikör mit Vanillezucker oder dem Mark einer Vanilleschote.

Guter Stoff – Welchen Alkohol für Eierlikör?

Grundsätzlich könnt ihr für die Zubereitung von Eierlikör in der heimischen Küche jeden klaren Alkohol verwenden, den ihr gerade im Haus habt. So könnt ihr den Geschmack nach Belieben variieren. Je höher der Alkoholanteil desto besser. Traditionell wird Weingeist verwendet, da er keinen Eigengeschmack, aber viele Umdrehungen (ab 70 Vol.-%) hat und so Keimen den Garaus macht. Weingeist ist unter Umständen kompliziert zu beschaffen. Die besten Chancen habt ihr in der Apotheke oder online. Wer keinen Weingeist bekommt, kann auch weißen Rum, Wodka oder Korn verwenden. Viele schwören noch auf das typische DDR-Rezept, bei dem neben Kaffeesahne der allseits bekannte Prima Sprit mit 96 Vol.-% zum Einsatz kommt.

Interessante Alternativen sind auch Cognac, Weinbrand, Birnen- oder Himbeerschnaps und Kirschwasser.

Eierlikör muss aber nicht unbedingt Alkohol enthalten, man kann den Alkohol auch einfach durch mehr Milch oder Sahne ersetzen. Apfelsaft oder Orangensaft statt Alkohol geben dem Eierlikör zusätzlich eine fruchtige Note. Er wird allerdings auch etwas dünnflüssiger.

Eierlikör über dem Wasserbad

Ihr braucht nicht viel Zubehör für die Zubereitung von Eierlikör – lediglich einen Schneebesen oder Handrührgerät, eine Metallschüssel und einen Topf!

1 Die zimmerwarmen Eigelbe mit Vanillezucker oder Vanillemark in einer Metallschüssel verrühren.

2 Puderzucker, Milch und Alkohol nach und nach unterrühren.

3 Die gesamte Masse über dem heißen Wasserbad mit dem Schneebesen dickcremig aufschlagen, bis das Ei bindet.

4 Auf dem Wasserbad noch ca. 5 Minuten weiter rühren. Sobald die Masse (gleichmäßig) cremig ist, vom Wasserbad nehmen und ein paar Minuten weiter rühren.

5 Anschließend mit einem Trichter in sterilisierte Flaschen füllen oder direkt servieren.

Oma’s Tipp: Das heiße Wasser sollte nur köcheln und die Metallschüssel nicht berühren. Die Masse gelingt am besten, wenn sie bei einer Temperatur von 70–75 °C gerührt wird.

Eierlikör aus dem Thermomix

Wer den Luxus eines Thermomix genießt, kann ihn auch super für die Zubereitung von Eierlikör nutzen. Dazu einfach Eigelb, Zucker, Milch, Vanillezucker und Alkohol in den Mixtopf geben und bei 70 °C ca. 8 Minuten auf Stufe 4 erhitzen. Anschließend könnt ihr den noch warmen Likör direkt servieren oder ihr füllt ihn in eine saubere Flasche und lagert ihn im Kühlschrank.

Jetzt aber ran an den Herd: Hier kommt unser Lieblingsrezept für selbst gemachten Eierlikör.

Facts, Facts, Facts

Warum ihr Eierlikör erhitzen solltet

Eierlikör erhitzt man aus einem einfachen Grund: Rohe Eier können eine Salmonelleninfektion auslösen – und das ist nicht wirklich schön. Das Erhitzen auf 70 °C für eine bestimmte Zeit tötet die Biester zuverlässig ab. Es gibt aber auch eine Alternative für Eierlikör ohne Erhitzen, allerdings kostet diese Zeit. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) empfiehlt die Eier und den Alkohol zu mischen und 3 Tage bei Zimmertemperatur zu lagern, bevor man mit der Verarbeitung beginnt. Bei einer Alkoholkonzentration von mind. 10 % in der Mischung tötet der Alkohol die Salmonellen ab.

Haltbarkeit & Lagerung von Eierlikör

Wahrscheinlich müsst ihr euch über die Lagerung und die Haltbarkeit von eurem selbst gemachten Eierlikör gar keine Gedanken machen – ihr werdet ihn eh ruck-zuck vernichten. Selbst gemachter Eierlikör hält sich ungeöffnet 3–4 Wochen. Geöffnet sollte ihr ihn innerhalb von ein paar Tagen verbrauchen. Gekaufter Eierlikör hingegen ist ungeöffnet etwa 12 Monate haltbar. Angebrochene Flaschen solltet ihr innerhalb von 6 Monaten genießen. Bakterien sind dank hohem Alkoholanteil kein Thema, aber der Geschmack des Eierlikörs leidet nach einer gewissen Zeit. Das könnt ihr auch durch die richtige Lagerung hinaus zögern: Eierlikör mag es gerne kühl und dunkel. Also ab in den Kühlschrank mit der Flasche. Da gehört auch der selbst gemachte Eierlikör hin.

Oma's Tipp: Selbst gemachten Eierlikör in kleine Flaschen abfüllen. So muss man nicht immer große Mengen Eierlikör vernichten und sie sind ein schönes Mitbringsel aus der Küche.

How to drink: Eierlikör

Klar, Eierlikör ist ein Getränk und deswegen trinkt man ihn aus dem Glas. Soweit so gut. Besonders elegant trinkt sich der Eierlikör natürlich aus einer Likörschale, aber ein Schnappsglas erfüllt auch den Zweck. Die Aromen kommen besonders gut zur Geltung, wenn der Likör Zimmertemperatur hat. Auch frisch und noch warm ist Eierlikör ein echter Genuss. Wer es lieber erfrischender mag, kann den Eierlikör auch kühlen. Allerdings solltet ihr den Eierlikör rechtzeitig aus dem Kühlschrank nehmen. Unter 10 °C büst der Likör nämlich an Geschmack ein. Gebt ihm ein bisschen Zeit, Eierlikör kann schüchtern sein.

Für alle Coffeeaddicts: Oma hat immer etwas frisches Kaffeepulver auf ihren Eierlikör gestreut.

Kaffeepulver ist nicht genug Abwechslung? Dann gönnt euch dieses Dreigestirn aus Eierlikör mit Schoko, After Eight und Mango!

Leckerer Eierlikör mit Schokolade, After Eight oder Mango

Hüftgold-Futter: So gesund ist Eierlikör

Gerade noch auf der Zunge und schon auf den Hüften – das passiert euch leider recht schnell, wenn ihr zu viel Eierlikör trinkt. Denn die Kombination aus Eigelb, Alkohol, Sahne und Zucker ist leider tödlich für die Bikini-Figur. Nicht nur wegen dem Alkoholgehalt lautet das Motto: In Maßen genießen!

Eierlikör in Zahlen:

Kalorien 263

Eiweiß 4 g

Fett 7 g

Kohlenhydrate 28 g

Ballaststoffe 0 g

Die Werte schwanken je nach verwendeten Milchprodukten.

Unsere Top 5 Rezepte mit Eierlikör

SOS Eierlikör: Unser Erste-Hilfe-Kasten für euren Eierlikör in Not

Eierlikör ist zu flüssig

Ob euer Eierlikör zu flüssig ist oder nicht, ist Geschmackssache. Manche bevorzugen ihn samtig wie einen klassischen Sahne-Likör und andere mögen ihren Eierlikör fast schon zum Löffeln. Wenn ihr noch in der Zubereitung seid – habt Geduld. Euer Likör wird beim Erkalten noch etwas fester werden. Wenn jetzt schon absehbar ist, dass das nicht reicht (auch ein Kühlschrank kann keine Wunder vollbringen!), versucht es mit ein paar zusätzlichen Eigelben oder mehr Sahne.

Oma’s Tipp: Eine zu starke Spritnote bekommt man mit etwas mehr Dosenmilch in den Griff.

Eierlikör ist krisselig

Wenn euer Eierlikör krisselig wird, liegt das meistens an ausgeflocktem Ei. Das kann zum Beispiel durch eine zu hohe Temperatur passieren oder der Eierlikör wurde zu lange erhitzt. Eine weitere Möglichkeit ist, dass die Eier nicht zimmerwarm waren. Wenn ihr schon Flocken im Eierlikör habt, streicht ihn vor dem Abfüllen durch ein feines Sieb. Probieren geht über Studieren – wenn der Eierlikör jetzt geschmacklich in Ordnung ist, müsst ihr euch keine Gedanken machen. Wenn er schon zu Rührei mutiert ist, hilft leider nur noch der Weg zur Mülltonne.

Oma’s Tipp: Fangt mit dem Rühren auf einem kühlen Wasserbad an und erhitzt das Wasser langsam. Das ist zwar nichts für Ungeduldige, kann aber unschöne Flöckchenbildung verhindern.

Eierlikör ist zu fest

Euer Eierlikör steht schon ein paar Tage und hat inzwischen Pudding-Konsistenz? Das ist ganz normal, einfach kräftig schütteln und es sollte wieder fließen. Hilft das nicht, könnt ihr noch etwas Sprit oder Milch oder Kaffeesahne (bloß nicht zu viel!) nachgießen und ordentlich schütteln.

Oma’s Tipp: Flaschen mit weitem Hals verwenden. Dann kann das Likörchen gar nicht so viel Ärger machen.

Was mache ich mit dem übrigen Eiweiß?

Am Ende der Eierlikörschlacht bleibt leider ziemlich viel Eiweiß übrig. Zum Wegschmeißen ist das definitiv zu schade!

Oma’s Tipp: Mit so viel Eiweiß könnt ihr zum Beispiel tolle Kuchen mit Baiserhaube oder Makronen backen. Lasst euch inspririeren: