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KOLUMNE

Von Festival Feels und der ganz großen Pommes-Liebe

3 Tage Musik, 3 Tage Glitzer und 3 Tage – genau! – Festival Food. In dieser Woche erzählt FOODBOOM-Redakteurin Alisa von der geballten Festival-Romantik und Pommes aus der Tüte.

von ALISA VOLTERMANN


Keine stylischen Gummistiefel, die beim Versuch zu einer Bühne zu kommen, im Matsch stecken bleiben. Keine störrischen Windböen, die die Heringe der halbherzig aufgestellten Zelte aus dem Boden reißen. Keine dicken Regentropfen, die das sporadisch aufgehängte Festivaldress tränken. Stattdessen drei Tage strahlender Sonnenschein.

Wovon ich rede? Vom Festival „MS Dockville“. Von drei Tagen Musik, Glitzer und Festival Food.

Meine Freunde und ich haben dieses Jahr 72 Stunden lang alles gegeben – Immer auf der Suche nach den kribbeligen Gänsehautmomenten, den versteckten Tränen im Auge, den leisen und lauten Tönen, die alles vergessen lassen. (Sorry, ein kleiner emotionaler Ausbruch muss sein.) Und immer auf der Suche nach dekadentem Festival Food. Denn nur, weil die herzergreifende Stimme von Dennis Lloyd und die provozierenden Texte von Faber aus den dicken Boxen dringen, ist das Essen auf einem Festival noch lange nicht egal.

Nicht falsch verstehen: Ich LIEBE kalte Dosenravioli. Ja ganz ehrlich. Nicht nur auf Festivals, sondern auch zuhause. Aber 72 Stunden lang 4-Euro-Bier von wackeligen Festivalständen trinken, verlangen eine richtige Grundlage. Und zwar vor Ort.

Wie viel Geld meine Freunde und ich für (Bier und) Essen an den Food-Ständen gelassen haben? Ich habe nicht die geringste Ahnung. Welchen Ständen meine Festivalgemeinde und ich einen Besuch abgestattet haben, weiß ich aber ganz genau.

Es folgt ein kulinarischer Trip über das Festivalgelände.

Ich habe eine Freundin. Und die liebt Käse. Sie liebt Käse so sehr, dass sie nachts um 4 Uhr auf dem Kiez die Bedienung bei einem Pizzaladen – wir wollen keine Namen nennen – nach einer Gorgonzola-Pizza fragt. Gibt es natürlich nicht. Inmitten des Food-Bereichs auf dem Dockville-Gelände konnte sie dem Geruch von würzigem Käse einfach folgen – bis zum Stand von Cheesus. Was gab’s? Würzigen Raclette-Käse auf Brot.

Das Käsethema hat sich nur so durch die 72-Sunden Festival-Action gezogen. Ein paar Tanzeinheiten später gab es beim Grilled Cheese Wonderland mehr Käse – in Form von Sandwiches. Habt ihr schon mal betrunken ein Mac’n Cheese Sandwich gegessen? Ich zitiere eine zweite Freundin: „Ein Moment für die Ewigkeit.“

Die wohl längste Schlange – wie immer – war bei Handbrotzeit. Für ein Handbrot hat eine dritte Käse-liebende-Freundin auch glatte vierzig Minuten Wartezeit auf sich genommen, bevor sie mit einem überdimensionalen Handbrot und einem breiten Lächeln wieder angestolpert kam. Nach dem Handbrot war sie nüchtern. Der nächste Weg ging also zurück zum Bierstand.

Ich habe noch eine Freundin. (Ja, wir waren ein großer Haufen kichernder Mädels.) Und die liebt Pasta. Am liebsten mit Kinder-Tomatensauce. Nudeln mit Tomatensauce gibt es auf dem MS Dockville aber genauso wenig wie Gorgonzola-Pizza nachts um vier auf dem Kiez. Dafür aber Asia-Nudeln. Und die mussten her. Von Asia-Drive.

Und ich? Meine Grundlage heißt Pommes. Dicke Pommes in der Tüte. Natürlich kriegt man bei der Crew von Nice Fries gute Fritten, bei Vincent Vegan sogar knusprige Süßkartoffelpommes, aber ich habe – übrigens mit der letzten Freundin im Bunde – drei Tage lang bei Fish'n'Chips angestanden. Für Chips ohne Fish. Dafür mit extra viel Ketchup.

Pommes ist meine große Liebe. Und Pommes gehören zur perfekten Festival-Romantik einfach dazu. “Love me and I will love you more”, wie Fil Bo Riva sagen würde.

Meinen heiß geliebten Pommes bin ich auch nur einmal fremdgegangen. Und ich muss zugeben, dass sich die kleine Affäre mit dem veganen Burrito der Berlin Burrito Company gelohnt hat. In der einen Hand ein Burrito, in der anderen Hand ein Bier und im Ohr Alt-j, die hinter dem fetten Food Truck auf der Bühne Musik machen – klar, dass die Euphorie anhält.

Mein vom Festival benebeltes Fazit zum MS Dockville? Es wurde aufgetischt. Nicht nur in Sachen Mucke, sondern auch in Sachen Verpflegung. Die einzige Sorge in den Tagen war: Wie lange machen die Füße noch mit?

Der Post-Festival-Blues – wer kennt ihn nicht? – ist mittlerweile abgeschüttelt. Und nachdem die blauen Flecken und juckenden Kratzer nun auch überwunden sind, ist es Zeit sich auf das nächste Jahr zu freuen. Denn Vorfreude ist ja bekanntlich die Schönste.

Kleine Einbuße der wohl intensivsten 72 Stunden im August: die verzweifelten Tippkonzerte auf meinem Handy in der Hoffnung, verloren gegangene Tanzfreunde doch noch wiederzutreffen. Die Bier- und Pommeskilos, die sich auch durch Non-Stop-Tanzen zu Elderbroook und Drunken Masters nicht vermeiden ließen. (Pommes sind wichtiger.) Und das widerspenstige Glitzer in meinem Gesicht, dass sich auch Tage nach dem Festival in den Ecken meiner Dusche und meines Bettes versteckt. Und das Bett ist frisch bezogen.

PS: Nachdem ich diesen Artikel in den Ordner der finalen Episoden geschoben habe, bin ich zum Edeka meines Vertrauens spaziert und habe im Dosenfutter-Regal nach Ravioli gegriffen – die 800-g-Dose natürlich. Don’t judge!