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Dänemark

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Hej og velkommen!

Die Koffer sind gepackt und gut im Auto verstaut. Eine Runde Kaffee für alle, noch ein letztes Foto vor der Abfahrt und dann geht’s ab nach Skandinavien! Ja, manchmal ist das Gute gar nicht so weit. Vor uns liegt eine Tour durch den südlichsten Zipfel Dänemarks, begonnen mit dem dünn besiedelten Sønderjylland und anschließendem Inselhopping im Südosten des Landes. Von Hamburg aus brauchen wir gerade mal drei Stunden und freuen uns auf Nordsee, Ostsee und jede Menge kulinarische Abenteuer.

Es mag kitschig klingen, aber je näher wir unserem Ziel kommen, desto mehr stellt sich die Ruhe in unserem Auto ein. Liegt es daran, dass wir bereits die dänische Grenze erreicht haben oder daran, dass die Autobahn schön leer ist? Vielleicht ist es auch die Sonne, die uns schon eine ganze Weile begleitet und die Wolken fernhält? Abseits der Straßen breiten sich unendliche Weidelandschaften aus. Hier und da ein paar Windmühlen, Kühe, Maisfelder – das ist durchaus meditativ. Woran diese Entschleunigung auch letzten Endes liegen mag, es wirkt.

Unser erster Stopp führt uns auf die Hedelam-Farm nach Skærbæk. Qualitativ hochwertiges Lammfleisch ist in Dänemark nicht an jeder Ecke zu bekommen, aber dem hiesigen Lammfleisch eilt ein hervorragender Name voraus.

Säfte und Marmeladen von Kroghs Grønt

Heute Morgen sind wir schon früh unterwegs, denn wir haben noch einige Kilometer vor uns. Zuerst geht’s nach Bylderup-Bov zu Dorte und Kristian Krogh, die uns zum Frühstück auf ihren Gemüsehof eingeladen haben. Unter dem Namen Kroghs Grønt vertreiben sie neben Erbsen, Kartoffeln und Erdbeeren selbst gemachte Säfte, Gelees und Marmeladen aus der hauseigenen Mosterei. Die wollen wir natürlich unbedingt probieren! Nach einer kurzen Führung durch den Hof geht’s in die Kaffeestube. „Jeder einzelne Saft und jede Marmelade ist zu 100 % Handarbeit. Zuerst wird alles per Hand gepflückt, sortiert, entsaftet, in Flaschen gefüllt und etikettiert. Dadurch ist jedes Produkt mehrmals durch unsere Hände gelaufen, bis es vom Kunden gekauft wird.“, erzählt uns Kristian und reicht die Kaffeekanne rum.

Besonders aufwändig ist das bei ihrem beliebten Löwenzahngelee, das direkt unsere Aufmerksamkeit weckt. Keiner von uns weiß bis dato so richtig, wie Löwenzahn eigentlich schmeckt. Wir streichen es uns aufs Brot. Es duftet nach frischem Honig und schmeckt auch so, nur etwas milder. Definitiv ein Favorit auf dieser Reise. Dorte sammelt eigens für dieses Gelee jeden Sommer kiloweise an gelben Löwenzahnblüten. Wer diese Blüten schon mal sorgfältig von einer Löwenzahnblume gezupft hat weiß, dass sie fast gar nichts wiegen. Umso ehrfürchtiger begutachten wir das Gelee, als Dorte uns erzählt, dass sie allein im letzten Sommer 20 Kilogramm davon gesammelt hat. Unglaublich! „Dann kommt noch dazu, dass man sie nur bei schönem Wetter pflücken kann, denn wenn es regnet, schließen sich die Blüten wieder.“, fügt Dorte noch hinzu. Wir sind beeindruckt. Nachdem wir uns durch Heidelbeer-, Erdbeer- und Stachelbeermarmelde, sowie Löwenzahn- und Himbeergelee als auch Flieder- und Apfelsaft durchprobiert und viel zusammen gelacht haben, gehen wir noch eine Runde im hauseigenen Hofladen einkaufen.

Zurück im Auto lassen wir unseren Sehnsüchten freien Lauf. Wenn wir an Dänemark denken, denken wir vor allem an Ostsee, Nordsee und ganz viele Inseln. Dänemark besitzt stolze 406 Inseln und hat eine Küstenstrecke von 7.314 Kilometern. Kein Wunder also, dass wir uns bei dieser Reise unbedingt so viel wie möglich auf und am Wasser tummeln wollen. Gesagt, getan: Wir verlassen das Land und fahren mit der Fähre durch den Haderslev Fjord, um die Insel Årø im Südosten des Landes zu erreichen. Was uns dort erwartet? Eine echte Kuriosität: Wein, der auf dänischem Boden hergestellt wird. Ja, ihr habt richtig gelesen, Wein aus Dänemark! Seit 2015 produziert Inhaber Jakob Lei Rot- und Weißwein sowie Rosé, mehrere Liköre und Apfelwein auf einem kleinen Weingut im Herzen der Insel. Skeptisch, aber neugierig auf das, was vor uns liegt, schlängeln wir uns auf den engen Inselstraßen an Reitern, Touris und Traktoren vorbei.

Als wir bei bestem Wetter in die schön gestaltete Hofeinfahrt mit uraltem Kastanienbaum und weißem Kies einbiegen, erhaschen wir zwar noch keinen Blick auf Weinberge, dafür aber auf die gut besuchte Terrasse des Årø Weinguts. Der Charme der Anlage und die Tatsache, dass es hier tatsächlich lokal produzierten Wein gibt, hat den Tourismus auf der Insel Årø ordentlich angekurbelt. Allein auf dem Weingut sind es rund 20.000 Touristen im Jahr. Natürlich fragen wir uns, wie es ihm hier gelingt, qualitativ hochwertigen Wein zu produzieren, denn wirklich sonnenverwöhnt können die Trauben hier oben im Norden ja nicht sein. „Das milde Klima auf dieser kleinen Insel macht viel aus. Durch das umliegende Wasser erleben wir weniger Frost als am Festland und tanken gleichzeitig mehr Sonne.“, erklärt Jakob. Insgesamt besitzt er 5.600 Reben und 1.200 Apfelbäume, die momentan Wein für rund 8.000 Flaschen hergeben, Tendenz steigend. Er führt uns in seinen Hofladen, in dem er neben seinen Weinen auch lokale Produkte der umliegenden dänischen Inseln verkauft. Wir decken uns im Inselladen ein, und dann ist es auch schon wieder Zeit, Abschied zu nehmen. Der Strand wartet.

Es ist gerade mal der zweite Tag unseres Dänemark-Trips, doch eines wird uns schon jetzt bewusst: Die regionale Küche mit lokalen Produkten lebt und blüht in diesem Land wie eh und je! Überall im Dänemark finden regelmäßige Food Festivals und Kochwettbewerbe statt, die sich das Ziel gesetzt haben, qualitativ hochwertige und lokal produzierte Lebensmittel der eigenen Region hervorzuheben. Einer dieser Wettbewerbe fand auf dem ersten sogenannten Vild Mad Festival (= Wild Food Festival) statt, bei dem Marianne Weimann als Siegerin hervorging. Wir sind auf dem Weg zu ihr und wollen mehr über das Festival und ihre Arbeit wissen. Marianne bietet nämlich ganz besondere Strandsafaris an, die wir in dieser Form noch nicht kannten.

Nach dem ereignisreichen Tag von gestern nehmen wir heute ein bisschen das Tempo raus: Zuerst frühstücken wir entspannt in der Sonne, gönnen uns Schokoladen-Scheibletten auf getoastetem Roggenbrot und andere dänische Frühstückseigenheiten. Danach drehen wir eine kurze Runde am Strand und warten bei einer Tasse Kaffee auf unseren Gast. Ja, so in etwa könnte sich „the danish way of life“ anfühlen. Als es an der Tür klingelt, sind wir entspannt und fühlen uns perfekt akklimatisiert in das dänische Klima. Das heißt ... wenn da nicht die Sprachbarriere wäre. Wer sich schon mal Dänisch angehört hat, weiß, dass die Dänen liebend gern ein paar Buchstaben verschlucken, sodass man am Ende nur noch ein paar abgebrochene Wörter versteht. Unser Gast Rasmus Lodahl ist da keine Ausnahme. Wir switchen lieber schnell ins Englische und freuen uns darauf, mit ihm zu kochen. Rasmus arbeitet im Restaurant Schack und hat mit seinen 27 Jahren bereits die dänische Königin höchstpersönlich bekocht. Im letzten Jahr gewann er mit seinem Gericht beim landesweiten Kochwettbewerb Local Cooking für die Region Sønderjylland. Heute möchte er es für uns kochen.

Da draußen die Sonne scheint, beschließen wir spontan unsere Koch-Session nach draußen zu verlagern. Nur wenige Fußminuten vom Haus entfernt, bauen wir uns aus ein paar Tischen, Bänken und einem Grill eine kleine Küche direkt am Strand. Die Möwen kreischen und die Wellen rauschen in kurzen Abständen über den Sandstrand, als wir unsere Kochschürzen anlegen. Was für eine tolle Atmosphäre! Als Rasmus uns die Komponenten zu seinem Siegergericht präsentiert, erwarten uns einige Überraschungen: Lammrücken und Nieren von der Hedelam-Farm, Queller, Salzmiere, frische Pfifferlinge, Apfelcider, Zwiebeln und Kartoffeln. „Beim Local-Cooking-Wettbewerb geht es darum, mit fast ausschließlich lokalen Erzeugnissen ein kulinarisch interessantes Geschmackserlebnis zu kreieren.“, erklärt uns der Jungkoch. Sein Siegergericht bestand zu 75 % aus süddänischen Zutaten. Er servierte der dreiköpfigen Jury Lammrücken mit gegrillten Nieren, gebratenen Pfifferlingen, Queller und Salzmiere, dazu Kartoffelpüree mit Apfelcider. Wir finden es genial!

Wir verlassen den südlichsten Zipfel Dänemarks und steuern die drittgrößte Stadt des Landes, Odense, an. Auf dem Weg dorthin will Hannes unbedingt einen Abstecher in Kolding machen. Da hat er eine Überraschung für uns: „So ein Eis habt ihr garantiert noch nie gesehen!“, grinst er verschwörerisch und führt uns an den Rand der Fußgängerzone, unweit vom Schloss Kolding entfernt. Er hält vor einem Laden der Speiseeis-Kette Premier Is und zeigt auf das große blaue Schild am Eingang: Hier in Kolding gibt es Waffeln mit einer, zwei oder drei Kugeln – und es gibt Waffeln mit 10 oder 20 Kugeln. Ein wahres XXL-Eis! Wir wollen so eins, natürlich mit 20 Kugeln!

Etwas beschämt stehen wir an der Theke und zeigen auf die Eissorten, aus denen unser Traum-Eis zusammengestellt werden soll: Schokolade, Lion, Heidelbeere, Pistazie, Lakritz, Smarties, Nougat, Banane, Kaugummi, Rum-Rosine ... So eine große Eiswaffel haben wir noch nie gesehen! Während die Warteschlange hinter uns immer belustigter dreinschaut und Smartphones zückt, arbeitet die Bedienung seelenruhig weiter, so als würde sie solche Riesendinger jeden Tag ausgeben. Um den XXL-Charakter noch zu unterstreichen, packt sie zusätzlich Softeis (wir dürfen zwischen Vanille, Erdbeere und Schokolade wählen), Soße (Erdbeere oder Schokolade), Schokokussschaum (ja, wirklich! Man wählt zwischen Erdbeere oder Vanille) und einen Schokokuss on top. Die Waffel ächzt unter dem Gewicht und kracht an einer Seite leicht auf, aber das ist uns egal. Wir können unser Glück kaum fassen, nehmen den Eis-Pokal ehrfürchtig entgegen und lassen uns einzeln damit fotografieren, bevor wir uns zu fünft darüber hermachen. Wie ein Haufen kleiner, kichernder Kinder sitzen wir auf einer Holzbank mit Blick aufs Schloss. Anscheinend ist das eine beliebte Joggerstrecke. Während wir es uns gutgehen lassen, sprinten mindestens 30 Jogger vorbei und werfen uns sehnsüchtige Blicke zu. Zugegeben, nicht jede Eissorte hat wirklich gut geschmeckt und es war gar nicht so einfach, die immer schneller schmelzende Masse in Schach zu halten, aber wir haben die Mission erfüllt und das Eis komplett verputzt. Unser Fazit? Solltet ihr unbedingt ganz weit oben auf eurer To-do-before-you-die-Liste aufnehmen!

Wir sind auf dem Weg nach Odense. Die Stadt liegt auf Fyn, Dänemarks drittgrößter Insel. Schon erstaunlich, dass sich hier auf knapp 3.000 Quadratkilometern insgesamt 123 Schlösser und Herrensitze tummeln. Auch, wenn wir hier gerne noch länger bleiben würden, müssen wir weiter. Odense ist die drittgrößte Stadt Dänemarks und vor allem als Geburtsstätte des berühmten Märchenautoren Hans Christian Andersen bekannt. Schade eigentlich, denn Odense hat noch viel mehr zu bieten. In der Stadt hat sich in den letzten Jahren eine junge, aufstrebende Foodszene entwickelt, die den Vergleich mit den großen Schwestern Aarhus und Kopenhagen nicht scheuen muss. Ja, tatsächlich ist Odense sogar die Stadt in Dänemark, die die meisten Restaurants per Einwohner hat. Klar also, dass wir uns ein eigenes Bild von Odense machen wollten. Unsere erste Station für heute ist die neue Street-Food-Halle der Stadt. Wir haben das Privileg, dort noch vor der offiziellen Eröffnung reinzuschauen. Riesig, luftig, hell und mit einem gewissen Baustellen-Flair präsentiert sich uns der neue Foodie-Tempel, in dem es an kulinarischen Ergüssen an nichts fehlt. Neben Street Food aus aller Welt bietet die ehemalige, schmucke Lagerhalle auch Neuinterpretationen des dänischen Smørrebrød und der heißgeliebten Hot dogs an.

Bei Martin Bager Wulffs Hotdog Heaven gibt es eine breite Palette an verschiedenen „Gourmet Hot dogs“, mit selbst gemachten Würsten und eigens produzierte Hot-dog-Brötchen. Hier kann euch ein asiatisch interpretierter Hot dog mit Kimchi oder der sogenannte King Charles mit Rinderwurst, asiatischer Mayonnaise und in Champagne eingelegtem roten Rettich begegnen. Natürlich hat auch Martin schon mal an einem dänischen Kochwettbewerb teilgenommen. Bei der letzten Hotdog DM in Aarhus durfte er sich mit der Creme de la Creme der Hotdog-Köche Dänemarks messen und kredenzte der Jury einen Hotdog mit einer Wurst aus Schweinenacken und Muskat, einem gesalzenen Croissant mit Thymian, Blauschimmelkäse und reduziertem Portwein. Martins Ideenreichtum in Sachen Hotdogs ist nicht zu stoppen: „Unser Hotdog-Angebot ändert sich fast täglich. Wir wollen uns ja nicht langweilen.“

Wir gehen weiter zur nächsten dänischen Institution: dem Smørrebrød. Am Street-Food-Stand Planken wartet Martin (ja, die Namensverwandtschaft zum anderen Martin ist verblüffend) schon auf uns. An einem großen bunten Tisch stehen spannende Leckereien wie selbst gebackene, salzige Algenchips, eingelegte Zitronenschale, bestes dänisches Roggenbrot und selbst gemachte Mayo. 0815-Smørrebrød war gestern. Sichtlich beeindruckt gucken ihm Olaf und Hannes über die Schulter. Das Endergebnis kann sich sehen lassen!

Gegen Nachmittag erreichen wir das Restaurant Pasfall in der Odenser Innenstadt. Im Michelin-Guide von 2017 wird die hiesige Küche schon das zweite Mal in Folge gelobt: „Aus erstklassigen saisonalen Produkten werden besonders aromatische Gerichte der klassischen Küche in moderner Interpretation zubereitet.“ Für Restaurantchef Thomas Pasfall ist das wie ein Ritterschlag. Thomas hat sich mit Leib und Seele der Insel Fyn verschrieben. Er kommt nicht nur von dieser Insel, sondern lebt die fünische Küche. Nach mehreren Kochbüchern und Anstellungen als Koch in dänischen und deutschen Restaurants hat er nun seit 2013 sein eigenes Restaurant eröffnet, für das er nur die besten regionalen Lebensmittel verwendet und die fünische Küche auf ein neues Level hebt. Heute wird er mit uns kochen. „Habt ihr Lust zu kochen?“, eröffnet Thomas. „Zuerst machen wir einen kleinen Salat mit Pfifferlingen, jungen Kartoffeln und weißem Spargel.“

Die Zeit bis zum Anrichten des Gerichts vergeht wie im Flug. Und dann steht das kulinarische Kunstwerk auf dem Tresen. Es riecht fantastisch und die einzelnen Komponenten fügen sich sehr harmonisch zusammen. Der Salat aus in Butter geschwenkten Pfifferlingen, jungen Kartoffeln, Tomatenconfit, süß eingelegtem weißen Spargel und Rauchkäse ist ein echtes Gedicht. Die Säure des Käses und der Tomaten ist ein schöner Kontrast zu der süßen Note des Spargels und der buttrigen, vollmundigen Pfifferlinge. Einfach genial!

Wir bleiben weiterhin auf Fyn. Heute geht es in den Süden der Insel zu Jørgen Hoff, der sich vor einigen Jahren einen kleinen Traum erfüllt und eine Meierei mit anschließender Brauerei eröffnet hat. Damit ist er so erfolgreich, dass er neben dänischen Supermarktketten auch Gourmetrestaurants wie dem NOMA und Geranium, als auch das dänische Königshaus mit seinem Käse beliefert. Und auch sein Bier ist besonders: Es wird mit Restprodukten der Molke produziert. Wir sind gespannt und freuen uns auf Jørgen, sein Craft Beer und natürlich auf ganz viel Rauchkäse.

Am besten macht ihr euch selbst ein Bild von Jørgen. Viel Spaß mit unserer Video-Reportage!

Nach so einem deftigen Start in den Tag ist uns nach etwas Süßem zumute. Jørgen hat uns heute Morgen vom sogenannten Brunsviger (auf deutsch: Braunschweiger) erzählt. Dieser Kuchen ist eine Spezialität dieser Insel, und wir wollen ihn natürlich unbedingt einmal aus erster Hand gebacken probieren und das Rezept notieren. Gesagt, getan: Wir fahren weiter nach Svendborg in eine der Filialen der Wendorff Bäckerei. Seit 1900 besteht das Unternehmen auf der Insel und der Brunsviger gehört zu ihrem festen Sortiment. Bäcker Tomas Larsson ist bei den Wendorffs der Spezialist für Brunsviger und seine Leidenschaft für diesen Kuchen ist so groß, dass er jeden Tag ein Stück davon isst. Bevor er mit uns das Rezept durchgeht, dürfen wir schon mal einen fertigen Brunsviger probieren. Wow! Sehr süß, fluffig und saftig. Wir wollen unbedingt das Rezept haben!

Zur Geschichte der Brunsviger erfahren wir, dass die deutschen Gastarbeiter wohl eine gewisse Rolle in der Namensgebung gespielt haben sollen. Im Laufe des 15. Jahrhunderts solle es zwei kleine Städte mit Namen Brunsvig (=Braunschweig) und lille Brunsvig (= kleines Braunschweig) gegeben haben. Die ersten Brunsviger sollen in der Gegend von Kopenhagen gebacken worden sein. Weiterentwickelt und „festgesetzt“ hat sich der Kuchen allerdings auf der Insel Fyn und in Jütland. Hier isst man Brunsviger gerne zum Frühstück und zum Kaffee. Zu Kindergeburtstagen wird der Kuchen in Form eines Männchens mit Süßigkeiten und dänischen Flaggen dekoriert gegessen.

Der Tag neigt sich seinem Ende zu und morgen bricht unser letzter Tag in Dänemark an. So schnell kann eine Woche vorbeiziehen. Und da wir in dieser Zeit schon viel am Meer und auf Inseln unterwegs waren, aber noch keinen Fisch gegessen, geschweige denn geangelt haben, wollen wir das schleunigst nachholen. Bei Wind und Nieselregen fahren wir auf eine kleine Halbinsel im Westen von Fyn, dem herrlichen Fleckchen Helnæs. Hier gibt es nicht nur atemberaubende Natur und tolle Anglerspots, sondern Dänemarks einzige Fishing Lodge. Betreiber Omar Gade bietet in seiner Fishing Lodge alles, was Anglern auf dem Herzen liegt: Seit 2013 bietet er das Rundum-Sorglos-Paket aus Angeltouren, ausleihbarer Angelausrüstung, eigene Räumlichkeiten für Angel-Equipment, Übernachtungsmöglichkeiten und italienischer Küche. Mehr geht nicht. Geangelt wird von Land aus oder im Wasser stehend an der Küste, dabei kann so allerlei ins Netz gehen: Von Hechten und Karpfen über Kabeljau und Flundern bis hin zu Meeresforellen bleiben keine Wünsche offen. Besonders letztere sind an diesem Spot beliebt und verbreitet. „Auf das Angeln von Meerforellen haben wir uns hier auch spezialisiert“, erzählt uns Omar, als er die Angeln vorbereitet.

Die Lodge liegt nur ein paar hundert Meter vom Strand entfernt und in drei Stunden geht die Sonne unter. Wir verlieren keine Zeit und hangeln uns an den Felsen zum Wasser herunter. Nach einer kurzen Einführung von Omar waten wir ins Wasser. Völlig berauscht von der rauen Natur schliddern wir mal hier über ein Algenbett und da über glitschige Steine, doch alles in Einem schlagen wir uns wacker und werfen die Angeln aus. Omar hat uns erklärt, dass wir uns langsam nordwärts an der Küste entlangbewegen sollen, während wir angeln. Der Regen hat mittlerweile aufgehört und die Sonne blitzt immer wieder durch die Wolkendecke. Doch trotz aller Bemühungen: Auch nach gut zweieinhalb Stunden verirrt sich noch immer kein Fisch an unseren Haken. Manchmal hat man Glück, manchmal nicht. Wir packen unsere Sachen, verabschieden uns von Omar und versprechen ihm, dass wir auf jeden Fall irgendwann wiederkommen, denn dieses Plätzchen Erde – da sind wir uns alle einig – ist ein kleines Juwel!

Und da ist er wieder. Der letzte Tag unseres Trips. Da kann man schon mal wehmütig werden. Wir packen unsere Koffer, räumen das Ferienhaus auf und geben unser letztes Ziel in den Navi ein: die Insel Lolland. Dort produziert man einen Wein, der außerhalb jeglicher Kategorie steht, nämlich Wein aus einer alten, dänischen Kirschsorte, der sogenannten stevnsbær.

Die Halbinsel Møn überzeugt nicht nur mit spektakulären Kreidefelsen, sondern hat auch kulinarisch einiges zu bieten. Hier kommen täglich frische Heringe an Land und werden zu feinen Delikatessen verarbeitet. Geräuchert, ein- gelegt oder frisch, die Qualität ist sensationell.